HomeGeschichteDer VDI in Anhalt

Bild 1Am Pfingstmontag, dem 12. Mai 1856 fuhren die zukünftigen Gründer des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) mit pferdebespannten und geschmückten Leiterwagen von Halberstadt nach Alexisbad (Bild 1), um im von Herzog Alexis von Anhalt 1810 eröffneten Kurbad, eine konstituierende VDI-Veranstaltung durchzuführen. Neben den 23 anwesenden Gründungsmitgliedern hatten 14 weitere Fachkollegen ihren Beitritt erklärt. Somit begann die Geschichte des VDI, der heute mit seinen bundesweit ca. 130.000 Mitgliedern der stärkste Ingenieurverein in Europa  ist, im heutigen Sachsen-Anhalt.
Die Gründung des Sächsisch-Anhaltischen Bezirksvereins erfolgte am 11.Mai 1862 in Bernburg und umfasste das anhaltische Herzogtum (Bild 2), die Kreise Mansfeld, Calbe und Aschersleben. Schon frühzeitig beteiligte sich dieser Bezirksverein an wichtigen Vorhaben des Gesamt-VDI und zählte so zu den Säulen des VDI dieser Zeit. Da der Bezirksverein keinen festen Standort hatte, trafen sich die Mitglieder regelmäßig zu Wanderversammlungen u.a. in Bernburg, Staßfurt, Köthen und Roßlau. Erst 1931 wurde dieser Sächsisch-Anhaltische Bezirksverein in den Anhaltischen Bezirksverein umbenannt und bestand bis 1945. In der Zeit von 1945-1946 wurden, auf Basis der Beschlüsse der 4 Siegermächte auf der „Konferenz von Jalta“, sämtliche von den Nazis vereinnahmten  Vereine verboten. Erst 1947 wurde auf dem Gebiet der drei westlichen Besatzungszonen mit der Wiedereinrichtung des VDI begonnen.Bild 2
Auf dem Gebiet der russischen Besatzungszone blieb der VDI bis 1989 verboten. Dafür wurde 1946 die KDT, als staatlich anerkannte Fachorganisation der Wissenschaftler und Ingenieure, Techniker, Ökonomen und weiterer Werktätiger gegründet.
Erst am 29.März 1990 wurde die „VDI-Gliederung DDR“ in Leipzig gegründet und mit Eintragung in das Vereinsregister per 11.April 1990 wieder auf dem gesamten Gebiet der DDR zugelassen. Er wurde nach der Wiedervereinigung am 06.10.1990 in den Leipziger Bezirksverein umgewandelt.

Mit diesem Gründungsakt begannen auch wieder zahlreiche Initiativen zur Schaffung von Strukturen nach westdeutschem Vorbild. So wurden auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt wieder zwei Bezirksvereine (der Hallesche BV und der Magdeburger BV) gegründet.
Die Gründung des BV Magdeburg erfolgte am 20.Juli 1990. Mit einer Stele (Bild 3) wird heute in Alexisbad an die Wurzeln des VDI in Anhalt und seine Neugründung in Sachsen-Anhalt erinnert. Mit  Unterstützung der VDI Hauptverwaltung, die mit der Wiederbelebung des VDI im Jahre 1947 in Düsseldorf aufgebaut wurde, wurden auch umfangreiche Gespräche mit Vertretern von Landesregierung, Hochschulen, Wirtschaft und Verwaltungen zu einer zukünftigen Zusammenarbeit geführt. Darüber hinaus wurde über die VDI typische Bezirksgruppenstruktur vorbereitet. Besondere Verdienste bei der Gründung und Entwicklung des VDI in Sachsen-Anhalt hatte Prof. Dr.-Ing. Klaus Hoppe. Heute führt Prof. Dr.-Ing. habil. Michael Schenk als Landessprecher des VDI Sachsen-Anhalt zukunftsorientiert und bringt seine hohe Kompetenz in die Arbeit des VDI-Präsidiums ein.Bild 3

VDI Bezirksgruppe Anhalt-Dessau

Mit starker Unterstützung des Magdeburger Bezirksvereins erfolgte die Gründung der VDI Bezirksgruppe Anhalt-Dessau am 10.04.1992 in Dessau. Dabei übernahm Dessau, eine Stadt mit langer kultureller und industriegeschichtlicher Tradition,  für die gesamte Bezirksgruppe eine Art Zentrumsfunktion. Dipl.-Ing. Harald Rupprecht mobilisiert seit der Gründungsphase als Vorsitzender der Bezirksgruppe Anhalt-Dessau die umfangreiche Vereinsarbeit und vernetzt seit vielen Jahren die BG Anhalt-Dessau  mit dem  BV Magdeburg als ein Vorstandsmitglied des BV in Magdeburg.

Einst wirkten Hugo Junkers, selbst VDI Mitglied, der Erfinder des 1. Ganzmetallflugzeuges der Welt oder Wilhelm von Oechelhäuser, der gemeinsam mit Hugo Junkers den Zweitakt-Gegenkolben- Gasmotor und damit eine neue Motorengeneration entwickelt hat, in Dessau. Ebenso bekannt waren und sind die „BAUHÄUSLER“, die, in den zwanziger Jahren aus Weimar vertrieben, in Dessau und später Berlin wirkten.
Der so begründete Ruf der Stadt Dessau als Standort mit ingenieurtechnischer Tradition und ausgeprägter Kreativität, hat sich leider in den letzten Jahren immer weiter verflüchtigt. Zahlreiche Industriestandorte wurden in den 90er Jahren von der Treuhand unglücklich privatisiert oder später abgewickelt.
Dadurch fehlt es an angemessen bezahlten Ingenieurarbeitsplätzen in der Region, was zu einer Abwanderung junger gut ausgebildeter Ingenieure geführt hat und sich auch in sinkenden VDI-Mitgliederzahlen widerspiegelt.
Ein Technologie- und Gründerzentrum ist eine Chance zum Gegensteuern gewesen. Auch wenn  es erst sehr spät gelang, sich auf einen Standort zu verständigen und diesen zu entwickeln.

Die VDI  Bezirksgruppe Anhalt-Dessau versuchte verstärkt in den neunziger Jahren, Impulse für die Region zu geben. Zahlreiche ingenieurtechnische bzw. fachspezifische, rechtliche und gesellschaftspolitische Veranstaltungen (Bild 4) und Fachexkursionen wurden mit vielen Teilnehmern sehr erfolgreich durchgeführt.  Die VDI  BG Anhalt-Dessau war so jahrelang ein Aushängeschild im Magdeburger BV gewesen.
Der Vorsitzende vertritt darüber hinaus die Interessen des Berufsstandes  in zahlreichen regionalen und überregionalen Gremien.
Leider ist viel von dieser Dynamik etwas verloren gegangen. Ursachen liegen neben dem in der Region fehlendenBild 4 Ingenieurnachwuchs, auf Grund der ausbleibenden auskömmlichen Beschäftigungsangeboten für Ingenieure, auch in der Überalterung. Daneben  wirkt sich die Langzeitarbeitslosigkeit von Ingenieuren, verständlicher Weise, hemmend für ein ehrenamtliches Engagement aus.
Die Dramatik zeigt sich nicht zu Letzt, im Verhältnis der VDI Mitgliederzahlen in den alten und in den neuen Bundesländern. Von den insgesamt 130.000 Mitgliedern bundesweit haben nur knapp 10.000 ihre Heimat in den neuen Bundesländern.
Es bleibt die Vision, den Stellenwert des einstigen Anhaltischen Bezirksvereins und seiner historischen Persönlichkeiten, wie Hugo Junkers,  neu zu begründen. Die Einbindung vorhandener Strukturen, wie das Umweltbundesamt in Dessau, Hochschule Anhalt oder die verbliebene und neu gegründete regionale Industrie, in die VDI-Arbeit der Bezirksgruppe Anhalt-Dessau muss wieder besser gelingen. Parallel zu 800 Jahre Anhalt kann die VDI Bezirksgruppe Anhalt-Dessau auf 20 Jahre seit Ihrer Wiedergründung 1992 zurückschauen.
Wir brauchen dringend aktive Ingenieure, die bereit sind ehrenamtliche Tätigkeiten (auch verantwortliche) zu übernehmen.

Dipl.-Ing. H. Rupprecht
(Vorsitzender VDI Bezirksgruppe Anhalt-Dessau)

Textquelle
Festschrift -150 Jahre VDI Magdeburger Bezirksverein-

Bilderquelle
Archiv VDI