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Evangelische Landeskirche Anhalts

Bis in die Zeit der Reformation vor annähernd 500 Jahren reicht die Geschichte der Evangelischen Landeskirche Anhalts zurück. Zwischen Fläming und Harz gelegen, von Elbe, Mulde und Saale durchzogen, ist ihr Gebiet nahezu identisch mit dem einstigen Fürstentum, späteren Herzogtum und dem nach 1918 entstandenen Freistaat Anhalt. Die Evangelische Landeskirche Anhalts umfasst heute Gemeinden in rund 154 Dörfern und Städten.
Der Traditionsreichtum in der Region Anhalt ist überall zu spüren: Kirchen, die zu Höhepunkten romanischer Baukunst zählen; Glocken, deren Geläut seit Jahrhunderten zum Gottesdienst ruft oder den Menschen Freude und Leid mitteilt; Orgeln, deren hoher Wert weit über Anhalt hinaus bekannt ist.


Struktur und Leitung
Etwa 46.000 evangelische Gemeindeglieder leben in Anhalt in rund 150 selbstständigen Kirchengemeinden. Sie sind in den fünf Kirchenkreisen Ballenstedt, Bernburg, Dessau, Köthen und Zerbst zusammengefasst. Körperschaften des öffentlichen Rechts sind die Kirchengemeinden und die Landeskirche, nicht jedoch die Kirchenkreise. Zurzeit sind in den Gemeinden 54 Pfarrerinnen und Pfarrer sowie 39 hauptamtliche Mitarbeitende im Verkündigungsdienst, d. h. Gemeindepädagoginnen, Jugendmitarbeiter und Kirchenmusiker beschäftigt.
Leitungsorgane der Landeskirche sind die Landessynode (das ‚Kirchenparlament‘), der Landeskirchenrat (mit dem Kirchenpräsidenten und zwei Oberkirchenräten) und die Kirchenleitung (mit dem Landeskirchenrat und Vertretern der Synode). Die geistliche Leitung und die Dienstaufsicht in den Kirchenkreisen üben im landeskirchlichen Auftrag die Kreisoberpfarrer aus. Die Landeskirche baut sich laut Verfassung auf den Gemeinden auf, die rechtlich selbstständig sind. Die Leitung der Gemeinden übernehmen Gemeindekirchenräte, zu denen Pfarrerinnen und Pfarrer ebenso wie Laien gehören.


Geschichte
Die Nähe Wittenbergs bewirkt, dass Martin Luther und Philipp Melanchthon oftmals in Anhalt sind. 1522 predigt Martin Luther in Zerbst. Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen unterschreibt die Protestation zu Speyer (1529) und die Confessio Augustana (1530). 1534 wird schließlich auch in Anhalt-Dessau unter Fürst Georg III. (der Gottselige) das Abendmahl in beiderlei Gestalt gereicht. 1541 werden alle in Anhalt amtierenden Pfarrer auf die Lutherbibel verpflichtet. Ab 1578 werden die anhaltischen Kandidaten nicht mehr in Wittenberg, sondern in Zerbst ordiniert. Von diesem Zeitpunkt an kann man von einer selbständigen Landeskirche reden.
Anhalt ist im Jahrhundert der Reformation zunächst eindeutig lutherisch geprägt. 1606 tritt das gesamte Fürstentum Anhalt zur reformierten Konfession über. Das Fürstentum Anhalt-Zerbst kehrt jedoch 1644 zum lutherischen Bekenntnis zurück. Damit existieren in Anhalt beide Konfessionen. Der Pietismus bleibt ohne nachhaltige Auswirkungen.
Dagegen wird die Aufklärung unter Fürst Leopold Friedrich Franz (1740-1817) zur prägenden Kraft. Sie erfährt nicht nur im Philanthropinum (Basedow) und dem ersten Landlehrerseminar in Deutschland (Wörlitz), sondern auch in der Parklandschaft des Dessau-Wörlitzer Kulturkreises ihren bis heute erlebbaren Ausdruck.
Die Superintendenten Krummacher (Bernburg 1820) und de Marées (Dessau 1827) sind die Wegbereiter der Union in Anhalt. Ab 1865 unterstützen ein einheitliches Konsistorium, ab l875 eine Kirchengemeindeordnung und ab 1878 eine Synodalordnung das erneute Zusammenwachsen zu einer Landeskirche. 1920 nennt die erste Verfassung der Evangelische Landeskirche Anhalts keine Bekenntnisschrift mehr namentlich, um konfessionelle Gegensätze nicht wieder aufbrechen zu lassen.
1960 wird die Evangelische Landeskirche Anhalts Gliedkirche der Evangelischen Kirche der Union (EKU, seit 2003 Union Evangelischer Kirchen, UEK). Die Evangelische Landeskirche Anhalts ist Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Kirchen im In- und Ausland. In vielen Bereichen kooperiert die Evangelische Landeskirche Anhalts mit der benachbarten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.


Engagement der Landeskirche Anhalts beim Jubiläum „Anhalt 800“
Die anhaltische Landeskirche ist in allen relevanten Vorbereitungsgruppen für das Jubiläum vertreten. Größere Projekte für das Jubiläum sind unter anderem:
- Ausstellung „Von der Wiege bis zur Bahre“ – Kirche, Kasualien und Brauchtum in Anhalt im Schlossmuseum Bernburg, Eröffnung im September 2011

- Präsenz mit einer „Anhaltischen Botschaft“, einem gecharterten Fahrgastschiff beim Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 1.-5. Juni 2011 in Dresden

- Anhaltischer Kirchentag am 9./10. Juni 2012 in Ballenstedt

- Chortreffen mit 800 Sängerinnen und Sängern (Ort und Zeit noch offen)

- Konzerte mit Werken anhaltischer Meister aus der Reformationszeit (Ort und Zeit noch offen)

- Dokumentarfilm zur Anhaltischen Kirchengeschichte

- Verschiedene Forschungsvorhaben zum Thema „Anhalt 800“

- Wettbewerb für Kinder und Jugendliche

 

Link
www.landeskirche-anhalts.de
www.evangelische-jugend-anhalts.de