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Stadt Zerbst/Anhalt

Die Stadt blickt auf eine mehr als 1050-jährige Geschichte zurück. 948 erstmals in der Gründungsurkunde als slawisches Land des Bistums Brandenburg genannt, begegnet uns Zerbst als Ort 1007 in der Chronik des Thietmar von Merseburg. Die Stadt entwickelt sich aus den Siedlungsbereichen Burg und Markt. Im 12. Jh. entsteht die Hofkirche St. Bartholomäi, deren solitär stehender Glockenturm ein Überrest der Burganlage ist. Die sog. „Breite“ schließt sich als zugehörige Siedlung an. Die Nuthe bildet eine natürliche Grenze zur Marktsiedlung, wo sich die Fernhandelsstrassen kreuzen. Die 1213 erwähnte Stadtkirche St. Nikolai, das größte sakrale Gebäude Anhalts, bildet den Mittelpunkt des Marktes und damit des wohlstandbringenden Handels. Graf Albrecht I. von Anhalt erwarb Zerbst (1209 als Stadt genannt) von den Herren von Barby 1307. 
 

Seit 1307 ist die Stadt damit unter anhaltischer Herrschaft. In der Folgezeit entwickelte sich Zerbst zur bedeutendsten Stadt des Landes. Tuchmacher, Gewandschneider, besonders die Bierbrauer und der Handel ließen ein starkes Bürgertum heranwachsen, das selbstbewusst gegenüber den Fürsten auftrat. Ende des 14. Jh. entsteht das Rathaus. Als Symbol städtischer Freiheit und Gerichtsbarkeit zeugt der 1385 erstmals erwähnte Roland. Dicht beim Roland steht die seit 1403 bekannte „Butterjungfer“, eine kleine vergoldete Figur auf einer sieben Meter hohen Eichenholzsäule, die im Zusammenhang mit einer Zollbefreiung gesehen wird. Hier wird 1531 die Ratsapotheke eingerichtet, die erste Apotheke Anhalts. Bis 1430 entsteht die noch heute vollständig erhaltene Stadtbefestigung mit 5 Toren, von denen 2 Ende des 19. Jh. abgerissen wurden.
Blütezeit der Stadt war das 16. Jh., die Stadt hatte ca. 6.000 Einwohner und war damit die größte Anhalts. Das führte auch dazu, dass Luthers reformatorische Bewegung sich in Zerbst früh durchsetzte. 1526 waren Klöster und Kirchen reformiert. Von Zerbst ausgehend übertrug sich die Reformation auf Gesamtanhalt. Die Einrichtung der Landesuniversität Gymnasium Illustre 1582 in der Stadt zeigte den Zentrumsstatus den die Stadt Zerbst im Land Anhalt innehatte. Die zweite Blütezeit erlebte Zerbst nach der Landesteilung von 1603 als Residenz des Fürstentums von Anhalt-Zerbst.


Die Teilung Anhalts 1603 macht Zerbst zu einem eigenständigen, kleinen Fürstentum. Der Neubau des Residenzschlosses Zerbst, der Bau des Schlosses Dornburg und des Sommerschlosses Friederikenberg zeugten von einer hohen kulturellen Blüte der Residenz im Land Anhalt. Die erhaltenen Arbeiten der 1721 gegründeten Zerbster Fayence-Manufaktur zeugen noch heute von der Kunstfertigkeit Zerbster Handwerker. Reichhaltige Impulse für das Musikleben nicht nur in Anhalt-Zerbst gab der Hofkapellmeister Johann Friedrich Fasch, dessen Sohn die Berliner Singakademie begründete. Der Zerbster Fürstenlinie entstammte die spätere russische Zarin Katharina II.. Mit dem Tod ihres Bruders Friedrich August, 1793, ist die Linie Anhalt-Zerbst erloschen. 1797 kommen die Stadt und Teile des Landes an Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau.
 
Das 19. Jh. war geprägt durch die voranschreitende industrielle Entwicklung, die eine Vielzahl von Betrieben entstehen ließ, auf deren Tradition noch heute erfolgreiche Unternehmen basieren. Durch das gewachsene, durch das Mittelalter und das 18. Jh. Geprägte Stadtbild entwickelte sich Zerbst zu einem touristischen Schwerpunkt Mitteldeutschlands. Schwere Verluste brachte die fast völlige Zerstörung der Stadt am 16. April 1945 durch alliierte Luftstreitkräfte. Mit der Gründung der Bezirke in DDR-Zeiten wurde das Land Anhalt geteilt und die Identität zerstört. Unter den Bedingungen der sozialistischen Gesellschaft wurde mit dem Wiederaufbau von Zerbst begonnen. Mit dem Wiederentstehen des Landes Sachsen-Anhalt und damit auch der Strukturen des historischen Landes Anhalt wurde die Möglichkeit gegeben, an Traditionen und Identifikationsmodellen anzuknüpfen, das in beispielhafter Weise mit dem Projekt „Gemeinsam sind wir Anhalt“ in den Jahren 2001 bis 2005 erfolgreich begonnen wurde.
 
Mit der Kreisneugliederung im Land Sachsen-Anhalt wurde gerade in der anhaltischen Region eine heftige Diskussion zum Stellenwert historischer Gebietsgliederungen angestoßen. Der Haupttenor dieser Diskussion ist die übereinstimmende Auffassung, dass in größer werdenden Strukturen, wie auch in der zunehmenden Europäisierung von Entscheidungsprozessen, die regionale Verortung eine wichtige Rolle spielt. Obwohl die Landesplanungen einen Wechsel der Stadt Zerbst/Anhalt zum Landkreis Jerichower Land vorsahen, wurde durch ein mehrheitliches Bürgervotum eine Integration in den neu gebildeten Landkreis Anhalt-Bitterfeld gewährleistet. Dabei verlor die Stadt jedoch den Status einer Kreisstadt. Gleichzeitig sprachen sich die Zerbster Bürgerinnen und Bürger für den Namenszusatz "Anhalt" aus, um die traditionellen Wurzeln in der historisch unübersichtlich gewordenen Gebietsstruktur zu betonen.
 
Mit der Gemeindegebietsreform veränderte sich die Struktur der Stadt Zerbst/Anhalt zum 1. 1. 2010 grundlegend. Durch die Eingemeindung der bislang in der Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Ehle-Nuthe zusammengeführten Gemeinden wuchs das Stadtgebiet auf 467 m² mit 24.200 Einwohnern in insgesamt 56 Ortsteilen an. Die Stadt Zerbst/Anhalt ist ein starker Standort für Unternehmen im Metallbau, Werkzeugmaschinenbau, Spezialglasverarbeitung, der Fleisch- und Wurstwarenherstellung, Feinkostherstellung sowie einer gut ausgebauten Dienstleistungsbranche wie einer Krankenhauswäscherei und komplexer Kühl- und Lagerwirtschaft.


Trotz des Verlustes des Kreisstadtstaus verfügt Zerbst/Anhalt über eine sehr umfangreiche öffentliche Infrastruktur. Im Bildungsbereich gehören dazu neben 15 Kindertagesstätten, 7 kommunalen Grundschulen, einer Grundschule in freier Trägerschaft, eine Ganztagsschule und das Gymnasium Francisceum. In der Stadt haben das Amtsgericht Zerbst, die Kreisparkasse Anhalt-Bitterfeld, die Volksbank Anhalt-Dessau eG, die Bundesagentur für Arbeit und die Gemeindeunfallkasse Sachsen-Anhalt ihren Sitz, öffentliche Bäder, moderne Sportstätten, Museen, eine barocke Stadthalle und eine Stadtbibliothek mit Zweigstellen in den Ortsteilen sowie ein breit gefächertes Vereinsangebot machen Zerbst/Anhalt zu einer lebenswerten Stadt mit vielen Volksfesten und Traditionsveranstaltungen.