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Albrecht der Bär - erster Markgraf von Brandenburg

Statue Albrecht der Bär

(um 1100–18.11.1170)
- Gf. v. Ballenstedt (1123–1170)
- Gf. v. Eilenburg (1123–1124)
- Gf. v. Weimar-Orlamünde (1140/42–1170)
- Gf. v. Plötzkau (1152–1170)
- Mgf. d. Lausitz (1123–1131)
- Mgf. d. Nordmark (1128/34–1157)
- Mgf. v. Brandenburg (1157–1170)
- Hz. v. Sachsen (1138–1141/42)

Markgraf Albrecht I. von Brandenburg, der Begründer der Dynastie der Askanier, gehörte zu den einflussreichsten Grundherren in den Ostmarken des Heiligen Römischen Reiches. Er war mit Sofie († 1160), einer Tochter des Grafen Hermann I. von Winzenburg (1109–1122), vermählt und hatte mit ihr sieben Söhne und drei Töchter, darunter Markgraf Otto I. von Brandenburg (1170–1184), Graf Hermann I. von Weimar-Orlamünde (1170–1176) und Herzog Bernhard III. von Sachsen (1180–1212). Als einziger Sohn des Grafen Otto des Reichen von Ballenstedt (1113–1123) und der billungischen Erbtochter Eilika von Sachsen (um 1080–1142/43) geboren, wurde er bereits früh mit den an ihn und seiner Herkunft gerichteten Erwartungen vertraut gemacht und findet sich gemeinsam mit seinem bis 1123 herrschenden Vater in der Zeugenreihe ausgestellter Urkunden. Infolge des siegreichen Kampfes gegen den slawischen Liutizenbund bei Köthen im Jahr 1115 und der endgültigen Sicherung des Gaues Serimunt, dem Gebiet zwischen den Flüssen Saale, Mulde, Fuhne und Elbe, schuf Otto der Reiche mit den westlich und nördlich anschließenden Besitzungen im Schwaben- und Nordthüringgau eine die Region dominierende Territorialherrschaft – die askanischen Stammlande.
Nach der Usurpation der Markgrafschaft Lausitz 1124 noch wenig in Erscheinung tretend, beginnt die Hauptphase der urkundlichen Tätigkeit Albrechts des Bären ab 1128 und findet ihren ersten Höhepunkt in den 30er Jahren des 12. Jahrhunderts, in denen er sowohl an zwei Italienzügen Kaiser Lothars III. (1125–1137) teilnahm als auch 1136/37 die Prignitz für die Restituierung des Bistums Havelberg zurückerobern konnte. Trotz Inhaberschaft der sächsischen Herzogswürde, der Erbfolge in den Grafschaften Weimar-Orlamünde und Plötzkau sowie führender Beteiligung am Wendenkreuzzug 1147, kann erst ab der Mitte des 12. Jahrhunderts die Ausfertigung eigener Urkunden und damit eigene politische Entfaltung nachgewiesen werden. In der Folge der Königswahl von Friedrich I. Barbarossa (1152–1190) sowie der Investitur von Bischof Wichmann von Zeitz-Naumburg (1149–1154) zum Erzbischof von Magdeburg (1152–1192) wurde er in die diplomatischen und rechtsgeschäftlichen Absprachen im Reich wie in den geistlichen und weltlichen Territorialherrschaften eingebunden oder davon betroffen. Bereits mit der Wiedereinrichtung des Bistums Havelberg und der Anmeldung von Erbansprüchen auf die Gebiete der slawischen Heveller und Spreewanen, dem Bannbezirk des Bistums Brandenburg, ab 1150, zeigt sich zudem seine unmittelbare Nähe zu den Erzbischöfen von Magdeburg und ihren Suffraganen. In Zusammenarbeit und Absprache mit Erzbischof Wichmann hatte er maßgeblichen Anteil an der Konzipierung und Umsetzung der hochmittelalterlichen Kolonisationsbewegung, in dessen Folge Handel und Infrastruktur wiederbelebt, Märkte und Ansiedlungen angelegt sowie der Stadtentstehungsprozess eingeleitet wurde. Albrechts besonderes Verhältnis zum Klerus vermitteln darüber hinaus die Förderung des christlichen Missionsgedankens mittels Ausbau der ländlichen Sakrallandschaft und Teilnahme an Kirchweihen, wie der Prämonstratenserkirche St. Maria zu Leitzkau 1155 und des Havelberger Doms St. Marien 1170, ferner die Behauptung der Vogteirechte der Propstei Ballenstedt, der Reichsabtei Nienburg a. d. Saale, des Klosters Ilsenburg sowie in Stellvertretung der Reichsabtei Corvey. Auch während der askanischen Landnahme bis 1157 und der daraus resultierenden Errichtung der Mark Brandenburg kann ein Zusammenhang zwischen aktivem Handeln und vermehrter Urkundentätigkeit hergestellt werden. Seinen religiösen Vorstellungen folgend, unternahm Albrecht 1158 eine Pilgerfahrt nach Jerusalem. Die letzte Dekade seines Lebens war geprägt von militärischen Auseinandersetzungen mit seinem Dauerrivalen Herzog Heinrich dem Löwen (1142–1180). Dennoch konnte Albrecht die Markgrafenwürde an sein Geschlecht binden und seinem ältesten Sohn Otto I. hinterlassen, der auf soliden Grundlagen die Entwicklung der Mark Brandenburg vorantrieb. Sein Beinamen der Bär wurde Sinnbild des anhaltinischen Herrschaftsverständnis und ziert als Wappentier mit identitätsstiftender Bedeutung noch 800 Jahre später die Hoheitszeichen vieler Anhalter Städte und Gemeinden – und nicht zuletzt des Bundeslandes Sachsen-Anhalt.

Weiterführende Literatur:

  • Heinemann, O. v.: Albrecht der Bär. Eine quellenmäßige Darstellung seines Lebens, Darmstadt 1864.

  • Partenheimer, L.: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt, 2. Aufl., Köln u. a. 2003.

Text und Foto: Axel Voigt (M.A.) - Studium Hallense e.V.