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Friedrich Lutzmann

Porträtfoto LutzmannFriedrich Lutzmann, einer der bedeutendsten Vertreter der ersten Generation von Automobilbauern, wurde am 5. April 1859 in Nienburg an der Saale geboren. Nach dem Besuch der Gymnasien in Dessau und Köthen, begann er eine Schlosserlehre in einer Bauschlosserei und Spenglerei. Als er 1877 die Herzogliche Verdienstmedaille „Für Rettung aus Gefahr“ verliehen bekam, trat er erstmalig öffentlich in Erscheinung. Grund der Auszeichnung war die Rettung eines Kindes aus den Hochwasserfluten der Mulde. Die Jahre zwischen 1878 und 1885 verbrachte er mit unterschiedlichen Tätigkeiten, beispielsweise beim Militärdienst, auf zwei Wanderschaften sowie in verschiedenen Arbeitsverhältnissen.
Am 12. Februar 1886 eröffnete Lutzmann seine erste eigene Firma, eine Bau- und Kunstschlosserwerkstatt, die ihm am 21. Mai 1891 den Titel Hofschlossermeister einbrachte. Im folgenden Jahr, am 24. September, heiratete er Alwine Hulda Puhle aus Raguhn.
Sein Interesse am Automobilbau wurde am 23. April 1893 geweckt, als ein Benz Motorwagen Dessau einen Besuch abstattete. Dies bewog ihn eines der neuartigen Automobile zu erwerben und somit den ersten Droschkenverkehr Deutschlands mit Motorwagen zu gründen, der die Strecken Dessau-Oranienbaum-Wörlitz und Dessau-Aken bediente.
Der erste von ihm konstruierte Motorwagen verließ am 15. Mai 1894 die neubenannte Lutzmannsche Motorwagenfabrik. Am 30. September 1897 nahm Lutzmann, als Gründungsmitglied des Mitteleuropäischen Motorwagenvereins an der ersten Automobilausstellung Deutschlands teil. Nachdem die Lutzmann-Automobile sich in vielen Ländern Europas und sogar des Nahen Ostens bestens verkauften, veräußerte er am 21. Januar 1899 die Anhaltische Motorwagenfabrik, mit großem finanziellem Gewinn an die Adam Opel AG. Dies war verbunden mit einem Umzug der kompletten Firma von der Wasserstadt 27 in Dessau in die Opelwerke in Rüsselsheim.
Schon im Jahr darauf heiratete er die Witwe Anna Marie Ochsenhirt, die zur ersten Opel-Rennfahrerin wurde. Mit der voranschreitenden automobilen Entwicklung stieg der wissenschaftliche und technische Druck auf Lutzmann, dem er kaum noch standhalten konnte. Sodass sich die Firma Opel 1901 von ihm trennte.
Noch im gleichen Jahr kaufte er eine Mineralwasserfabrik in Gera, die zwölf Filialen hatte. Diese warf jedoch nie ausreichend Gewinn ab, um dauerhaft betrieben zu werden. Nachdem er die Fabrik 1903 wieder verkaufte, unternahm er mit der ganzen Familie eine Reise nach Brasilien. Anschließend arbeitete er ab 1904 in der Schreib- und Nähmaschinenbranche in der Schweiz, wo er auch die Zeit des ersten Weltkrieges verbrachte. 1922 kehrte er nach Dessau zurück und arbeitete bis 1926 bei seinem guten Freund Hugo Junkers in den Junkers-Werken. Die restlichen Jahre seines Lebens verbrachte er in Dessau, bevor er am 23. April 1930 verstarb und auf dem Dessauer Friedhof III beigesetzt wurde.

Text: Thomas Severin (M.A.) - Studium Hallense e.V.