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Auf den Spuren von Till Eulenspiegel in Bernburg

Till EulenspiegelHermann Bote, so ist sich die neuere Eulenspiegelforschung einig, ist der Name des Autors, der im 16. Jahrhundert die Geschichten vom Eulenspiegel aufschrieb und so ein Meisterwerk hinterließ.

Hin und wieder, heißt es, blieb Till nichts anderes übrig, als eine feste Arbeit anzunehmen. So stellte ihn der Graf von Anhalt in Bernburg als Turmbläser an. Till konnte von seiner neuen Arbeitsstelle weit über das Land schauen. Er sollte Obacht geben, dass feindliche Ritter nicht die Bauern des Grafen überfielen oder deren Dörfer in Brand steckten. Schließlich erhielt der Graf den Zehnten. So hatte er zum Schutz auch viele Reiter und Fußsoldaten in Sold genommen. Kam der Feind, sollte der Eulenspiegel auf seiner Trompete blasen.

Während Eulenspiegel stand und starrte, überkam ihn Hunger. Unten sah er die Soldaten zechen, oben schob er Hunger. Sie hatten ihn vergessen. Inzwischen kamen die feindlichen Ritter, überfielen das Städtchen, legten Feuer und trieben die Kühe fort. Eulenspiegel rührte sich, entgegen seiner Abmachung, nicht. Der Graf von Anhalt stellte Till zur Rede. Der antwortete, dass es ihm nicht gut bekäme, wenn er auf nüchternem Magen Trompete blasen solle. Der Graf verfolgte die Raubritter und brachte etliche der Kühe wieder mit. Zur Feier des Sieges wurden einige Tiere geschlachtet und am Spieß gebraten. Als sich die Leute über das Essen hermachen wollten, rief Eulenspiegel vom Turm: „Feinde in Sicht!“ Die Ritter sprangen auf und galoppierten durch das Burgtor, dem vermutlichen Feind entgegen. Till kam vom Turm und versorgte sich mit knusprigem Braten und herrlichem Wein und kletterte den Turm wieder hinauf. Man stellt es sich vor: Der Graf stellt seinen Turmbläser wütend zur Rede. Will er angestellt bleiben, muss er sich zum Fußvolk gesellen. Till ging als Letzter aus der Burg und kam als Erster wieder herein. „Ja“, sagte er, „als Turmbläser habe ich lange hungern müssen. Das griff meine Gesundheit an. Ich muss erst einmal wieder zu Kräften kommen.“ Da schwoll dem Grafen der Kamm: „Mach dich vom Acker“, schrie er den Till an und warf ihn aus seinem Haufen. Was dem Till Recht war.

Hermann Bote hieß der Schriftsteller, der die Geschichten aufschrieb. Er lebte von 1467 bis 1520. Das Buch war schon bald nach seinem Erscheinen ein Bestseller.
Ob es den Eulenspiegel wirklich gab, darüber gibt es keinen Beweis. Aber gab es ihn, wurde er um 1300 in Kneitlingen bei Schöppenstedt am Elm geboren, zog später mit seiner Mutter Ann Wibcken in deren Heimatdorf bei Calbe an der Saale. Selbst die Taufe des kleinen Till gerät zur dreifachen Wiedertaufe. Vielleicht braucht man die originale Figur gar nicht, die hinter der Geschichte steckt und ihr Unwesen bis etwa 1350 getrieben haben soll.

Bernburg wirbt mit dem Schalksnarren. Noch heute begegnet man ihm in der Stadt - auf dem Eulenspiegel-Turm des Schlosses. Das Bernburger Schloss, man ahnt die Renaissance-Pracht an den restaurierten Teilen schon, hoch über der Saale gelegen, gilt als die „Krone Anhalts“. Hier oben befindet es sich, das größte Eulenspiegel-Denkmal Deutschlands, der Eulenspiegel-Turm. Der romanische Bergfried, mit 44 Meter Höhe der Ausblick über die Residenzstadt schlechthin, enthält für alle, die sich der Mühe unterziehen, ihn auch zu besteigen, eine Überraschung. Sie stoßen auf das Turmzimmer – und da sitzt der Kerl. Lebensgroß. Als Puppe erzählt er auf Knopfdruck seine Bernburger Geschichte, sich dabei fast wie ein Mensch bewegend. Die Kinder sind begeister, die Erwachsenen erfreut.

Seit 1955 beginnt sein närrischer Freigang zur Karnevalszeit mit der Befreiung aus dem Turm und dem Sturm des Rathauses jeweils am 11.11.  um 11.11 Uhr. Das Volk holt ihn vom Turm ab und zieht mit ihm zum Rathaus. Die Narren fordern vom Bürgermeister die Übergabe des Rathausschlüssels. Der Elferrat mit Till besetzt das Rathaus und begibt sich auf den Balkon. Ja, der Till lebt. Und zwar im Bernburger „Paradies“, einer bekannten Ausflugsgaststätte in Bernburg, vor deren Eingang zum Märchengarten die älteste Bernburger Skulptur vom Eulenspiegel steht. Gegenüber dem Theater steht der Kerl Wurst essend und eine Nase drehend. Auf der Kleinen Wilhelmstraße hockt der nackte Till auf einer Säule über dem Eulenspiegelbrunnen und verkündet: „Man wird nicht als Eulenspiegel geboren...“ An der Stadtinformation steht er im Großformat. Es gibt die Eulenspiegel-Wanderung, den Eulenspiegel-Erlebnistag des Museums für jüngere Gäste, Eulenspiegel-Geburtstagsfeiern und im Restaurant „Lindenhof“ das Till-Eulenspiegel-Menü.

www.bernburger-freizeit.de
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Text: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH
Foto: Ingo Gottlieb, Halle