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Die wilde Katze vom Brocken

Anhalts wichtigste Künstlerin kam aus Ballenstedt

Ein 1822 entstandenes Selbstporträt zeigt Caroline Bardua mit einer Laute. Tatsächlich war sie auch musisch hoch begabt.Aufsehen erregten sie in Ballenstedt schon, die Scherenschnitte des Mädchens. Die dicke Nachbarin war ebenso unschwer zu erkennen wie der strenge Pastor. Eine Künstlerin würde die kleine Caroline werden, prophezeiten die Leute. Und die Eltern mögen Stoßseufzer gen Himmel geschickt haben: Hoffentlich nicht.
Künstlerin. Es war schon für einen Mann schwer genug, sich als Künstler durchzuschlagen. Abhängig zu sein von Moden und reichen Gönnern. Für einen Mann schwer, für eine Frau ganz unmöglich!
Caroline Bardua war die älteste Tochter des Johann Adam Bardua, Kammerdiener beim Erbprinzen und späteren Herzog Alexius von Anhalt-Bernburg. Das Mädchen war 1781 in Ballenstedt geboren, wo seit anderthalb Jahrzehnten der fürstliche Hof residierte. Die Eltern waren musisch begabt, doch das weit größere Talent der Tochter offensichtlich. Schweren Herzens folgte man der Empfehlung eines Verwandten und ließ Caroline ab 1805 die Kunstschule in Weimar besuchen.  Die junge Frau fand Aufnahme in den Kreis um Goethe, der Caroline förderte und sich von ihr porträtieren ließ. Ihre künstlerische Ausbildung setzte Caroline anschließend in Dresden bei Gerhard v. Kügelgen fort. Hier nannte man die junge Frau aus dem anhaltischen Harz die „wilde Katze vom Brocken“. In der Elbestadt erzielte sie auch erste Erfolge bei Ausstellungen. Unstete Reise- und Wanderjahre folgten, immer auf der Suche nach Aufträgen. Es waren ihre fein gezeichneten Porträts, die ihr Anerkennung und Einnahmen brachten. Mehr als dreihundert Porträtgemälde von Caroline Bardua sind bekannt, unter anderem ließen sich der Maler und Freund Caspar David Friedrich, Stargeiger Niccolo Paganini, Komponist Carl Maria von Weber und Angehörige der königlich preußischen Familie porträtieren.
Berlin wurde längere Zeit zum Lebensmittelpunkt. Caroline verband zahlreiche Freundschaften mit Männern und Frauen der Kunst- und Kulturszene, genannt seien nur die Namen Tieck, Schadow, Schopenhauer, v. Arnim. Mit den Einkünften aus ihrer Malerei konnte die Bardua ihr Leben selbst finanzieren. Geschäftstüchtig legte sie Geld in Aktien an, unter anderem war sie am neuen Kurbad Alexisbad beteiligt. Neben Ballenstedt ist eine zweite Stadt in Anhalt mit ihr besonders verbunden: Coswig. „Mein Filial“ nannte sie die Kleinstadt an der Elbe.
Nie verheiratet, gehört Caroline Bardua zu den ersten bürgerlichen Frauen, die sich im Künstlerberuf eine eigene Existenz aufbauten. Ganz ohne Mäzen oder reichen Ehemann. Den Lebensabend verbrachte Caroline Bardua in ihrer Heimatstadt Ballenstedt, wohin sie schließlich zurückgekehrt war. Hier verstarb sie auch am 2. Juni 1864. Ihr Lebenswerk wird seit einigen Jahren wiederentdeckt.