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Ein Museum für Anhalts Dorfkirchen

214 Kirchen gibt es in Anhalt. Die meisten von ihnen stehen in kleinen Dörfern, viele sind das älteste Bauwerk ihres Ortes.
DorfkirchenmuseumIm kleinen Dörfchen Garitz in Anhalt, nordöstlich von Zerbst, sind manche Dinge anders als anderswo. Das liegt nicht zuletzt an den engagierten Einwohnern. Während in anderen, größeren Orten Museen geschlossen werden, hat man in Garitz eins gegründet. Geeignete Räumlichkeiten fanden sich in einer ehemaligen Stärkefabrik.
Und als ob das nicht ungewöhnlich genug wäre, widmet man sich einem Thema, das in Deutschland so noch keiner zeigt: den Dorfkirchen. Nicht den spektakulären Kathedralen, nicht dem grandiosen Naumburger Meister. Wohl aber etwas, das das Bild Europas prägt: Eine Kirche in (fast) jedem Dorf. Mehr als 40.000 Dorfkirchen soll es allein in Deutschland geben, mehr als eine halbe Million in ganz Europa. Das Museum in Garitz widmet sich aber nur den Dorfkirchen in Anhalt. Zumindest vorerst.
Die Idee kam von der Kunsthistorikerin Sonja Hahn. Die blonde Frau zog vor einigen Jahren aus dem pulsierenden Berlin in die anhaltische Provinz. Und ist mittlerweile so gut angekommen, dass man sie zur Vorsitzenden der Stiftung „Entschlossene Kirchen“ gewählt hat. Die Stiftung kümmert sich nicht nur um die Sanierung von Kirchen in Anhalts Norden, sondern auch um deren Öffnung. Denn, so Hahn: „Eine Dorfkirche überlebt nur, wenn sie geöffnet und genutzt wird.“
Im Dorfkirchenmuseum kann man derweil jede Menge Kirchen anschauen. Und das in mehr als 20 Fällen sogar als Modell. Regional bedingt, bilden die wuchtigen Feldsteinkirchen einen Schwerpunkt. Daneben gibt es Reproduktionen von historischen Kirchenfenstern, Informationen zur Religionsgeschichte Anhalts und vieles mehr. Dass die Geschichte einer Dorfkirche wechselhaft sein kann, zeigt beispielsweise die ausgestellte Turmkugel von Hohenlepte: Die Kugel ist durchlöchert von Einschüssen aus dem Zweiten Weltkrieg.
Zwar ist das Dorfkirchenmuseum in der warmen Jahreszeit regelmäßig geöffnet, wer aber jetzt schon mal reinschauen will oder eine Führung möchte, wendet sich am besten direkt an Frau Hahn unter der Rufnummer 039248/7300.
Für Anhalts Jubiläumsjahr 2012 hat man sich übrigens in Garitz etwas Besonderes ausgedacht: Unter dem Titel „Bauern, Junker und Pastoren“ wird sich eine Sonderausstellung dem früheren Leben und Miteinander in anhaltischen Dörfern widmen. Fragen gibt es ja genug: Was zum Beispiel hat ein Dorfpfarrer vor hundert Jahren eigentlich den ganzen Tag gemacht?