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Joseph von Eichendorff: Der letzte Ritter der Romantik in Köthen

Es soll gleich am Anfang gesagt werden: Eine wirklich glückliche Zeit hat Joseph v. Eichendorff in Anhalt nicht verlebt. Den großen Dichter der Romantik plagten zu jener Zeit allerlei Sorgen. „Wir verbringen diesen Sommer in Cöthen, wo ich vor dem Tor ein kleines Haus und Garten besitze“ schrieb Eichendorff am 03. Juni 1855 einem Freund.

Schon im unruhigen Revolutionsjahr 1849 hatte die Familie v. Eichendorff im ländlich-beschaulichen Köthen einige Zeit verbracht. Sie bewohnten vor dem Magdeburger Tor das Haus eines Verwandten, dem Kommandanten der örtlichen Gendarmerie. Eichendorff war seit 1844 pensioniert. Der einst große Güterbesitz der Familie war zusammengeschmolzen und stand am Rande des Ruins. Die Altersversorgung reichte für Eichendorff nicht aus, um mit seiner Frau eine eigene standesgemäße Wohnung führen zu können.

Notgedrungen lebte das Ehepaar deshalb im Haushalt des Schwiegersohnes Ludwig Besserer von Thalfingen, einem Militär. Jeder Versetzung des aktiven Offiziers folgten die Schwiegereltern. Als die Laufbahn von Besserer nach Mitteldeutschland führt, erwarb Eichendorffs Tochter im August 1854 das der Familie schon bekannte Haus in Köthen. Briefe lassen erkennen, dass der Dichter sich selbst als Eigentümer sah. Was darauf schließen lässt, dass der Kauf mit wesentlicher finanzieller Beteiligung Eichendorffs zustande gekommen war.

Im Frühjahr des darauffolgenden Jahres bezog die Familie ihr neues Heim. Doch anstelle des erwarteten Glücks zogen schon bald dunkle Wolken auf. Eichendorffs Gemahlin erkrankte schwer, eine teure Kur wurde nötig. Dazu wurde der Schwiegersohn erneut versetzt, diesmal nach Oberschlesien, was nach wenigen Monaten den Abschied von Anhalt und nochmals einen kostspieligen Umzug nötig machte. Eichendorff muss zudem erfahren, dass man das Haus völlig überteuert erworben hatte. Es ist nur verständlich, dass diese Zeit voll Unruhe und enttäuschter Hoffnungen, von finanziellen und gesundheitlichen Sorgen, nicht zu den poetisch produktivsten Lebensabschnitten des Dichters gehört. Doch völlig untätig blieb er nicht.

Eichendorff arbeitete in Köthen an seiner „Schrift über die deutsche Poesie“ und an der „Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands“. Letztere erschien zwei Jahre nach dem Köthen-Aufenthalt im Druck. Am 30. Oktober 1855 verlässt die Familie Anhalt, nur Wochen später stirbt Eichendorffs Frau. Erst 1860, drei Jahre nach Eichendorffs eigenem Tod, wird ein Käufer für das Haus gefunden. Die Köthener Zeit lässt ein nüchternes, fast tragisches Bild des bedeutenden deutschen Romantikers erstehen. Weit weg von klappernden Mühlrädern, zauberhaften Mondnächten oder gar einem Kult um das literarische Genie. Heute kommt dem Eichendorff-Haus in Köthen übrigens eine besondere Bedeutung über Anhalt hinaus zu: Es ist das einzige noch existierende Wohnhaus des großen Poeten. Eine kleine Tafel erinnert an seinen Aufenthalt.