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Zwischen Abriss und Zukunft

Walternienburg - Anhaltische Wasserburg in den Weiten der Elbaue

Weit ragt er ins Elbeland, der mittelalterliche Bergfried von Walternienburg. Foto: H. ReifarthEin wenig traurig war Ortsbürgermeister Heinz Reifarth schon. Da wird auf einer großen Tagung zur Geschichte Anhalts über die Bergfriede im ehemaligen Land berichtet und ausgerechnet der Turm seines Heimatdorfes nicht einmal erwähnt. Dabei ist er doch – zumindest in den Augen von Reifarth – der schönste in Anhalt.
Das kleine Dorf Walternienburg liegt westlich von Zerbst. Im 10. Jahrhundert kamen Burg und Ort als kaiserliche Schenkung an das Quedlinburger Damenstift, später an die askanischen Herzöge und Kurfürsten. Doch die eigentlichen Herren vor Ort waren andere: die Edlen von Arnstein, die sich bald nach neuen Besitzungen Grafen von Mühlingen, von Barby und von Lindau nannten.
1359 findet sich erstmals die Ortsbezeichnung „Walter-Nienburg“. Der Vorname „Walter“  wurde bei den Edlen von Arnstein mehrfach geführt. Vielleicht diente der Namenszusatz zur Unterscheidung vom unweit gelegenen Nienburg an der Saale.
Zwischenzeitlich war die Lehenshoheit von den sächsischen Kurfürsten auf die Fürsten von Anhalt übergegangen, doch gab es um den Anspruch auf Walternienburg immer wieder Streit. Nach dem Aussterben der Grafen von Barby wurde das Amt Walternienburg 1659 in das Fürstentum Anhalt-Zerbst eingegliedert. Mit dem Wiener Kongress 1815 fiel Walternienburg an die preußische Krone, blieb aber weiter anhaltisches Amt, das nach dem Ende des I. WeltkriegsEin 1795 entstandener Kupferstich zeigt das Wappen der alten Herrschaft Walternienburg. aufgelöst wurde. Mangels Bauunterhaltung verfiel die alte Wehranlage zunehmend.
1982/83 wurde die gotische Dorfkirche abgerissen. Ihrem Schicksal sollte die Burg folgen. Kurz vor der politischen Wende begann der Abriss. Außer dem Bergfried, der Ringmauer und einem Gewölbekeller war bis zum Mai 1994 bereits alles abgebrochen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass in diesem Zeitraum der Gemeinderat nach einem Motiv für ein neues Ortswappen sucht und dieses ausgerechnet im Bergfried findet. Der Turm aus dem 14. Jahrhundert ist in der flachen Ebene der Elbaue weithin sichtbar, seine Mauern sind bis zu 3,50 m dick.
Aus dem Sinneswechsel ergibt sich für die Gemeinde eine große Aufgabe: Die Sanierung der Anlage. In den Folgejahren werden erhebliche Mittel für den Erhalt der verbliebenen Baulichkeiten eingesetzt. Der grundhaften Instandsetzung des Bergfriedes folgen u.a. ein Pavillon über dem historischen Gewölbekeller und eine Markt- und Festscheune.
Damit gelang es, die Burganlage zu einem kulturellen Zentrum auszubauen. Mehrere tausend Besucher pro Jahr, vor allem Radwanderer auf dem Elberadweg, geben der Gemeinde die Gewissheit, dass der Erhalt dieser geschichtsträchtigen Stätte die richtige Entscheidung war.