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01.03.2012 - Gaensefurth und sein wirklich königlicher "Gänsewein"

Im einstigen Herzogtum Anhalt war Gaensefurth um 1870 ein Rittergut mit einem ansehnlichen Schloss unweit der Bode, einem dutzend Häuser, einer Zuckerfabrik, Wind- und Wassermühlen und einem Kalksteinbruch. Eine „Pferdebahn“ (Kohlebahn) fuhr zu dieser Zeit von Braunkohle - Tagebauen um Groß–Börnecke (preußisch) über die Gaensefurther Feldmark (in Anhalt) nach Staßfurt in Preußen. Dort war der Salzbergbau nach 1850 durch die Kali–Förderung immens überflügelt worden.
Unter den zahlreichen Rohstoffvorkommen entstanden viele chemische Fabriken.
Da die Arbeiter unter und über Tage nicht nur mit Hitze zu kämpfen hatten, sondern auch mit Staub benötigten sie gutes Wasser. Das Schloss Gaensefurth, auf einem Hügel zwischen Wäldchen und Wiesen gelegen, hatte schon als mittelalterliche Burg eine Quelle besessen. Eine Quelle dessen Wasser sehr schmackhaft war.
Es wurden Probebohrungen durchgeführt und schon bald lief durch eine unterirdische Leitung das schmackhafte Wasser in einen Teil des Schlosses, wurde in Flaschen abgefüllt und im nahen Staßfurt und Umgebung verkauft.
Dieser Gänsewein trug den Namen „Schlossbrunnen“. Ein neu gebohrter Quellbrunnen war ca. 9 Meter tief, dort erreichte man das Gaensefurther Wasser im stehenden Muschelkalk, der zur Erdoberfläche durch Wasserundurchlässige Ton- und Mergelschichten abgeschlossen ist. Das Wasser ist von außergewöhnlicher Reinheit und besitzt Spuren vom lebenswichtigem Calcium und Magnesium. Um das Jahr 1900 hat man diesen hochgeschätzten Gaensefurther Schlossbrunnen selbst auf den Tafeln des britischen Königshauses gefunden. Es ist auch keine Frage, dass dieses erfrischende Wasser auf vielen Banketten im kaiserlichen Deutschland angeboten wurde.
Mit dem Ende des 1. Weltkrieges übernahm die Stadt Hecklingen den Brunnenbetrieb und modernisierte den Gaensefurther Betrieb nach einigen turbulenten Jahren. Eine der ersten PET – Anlagen Deutschlands entstand hier.
Luigi Colani – ein hoch angesehener Designer entwarf für Gaensefurther 1996 die, noch heute besondere Flaschenform und die dazu passenden Gläser.
Seither sind 125 Jahre ins Land gegangen und Gaensefurther ist noch immer der königliche „Gänsewein“.

 



Kalenderblatt vom 01.03.2012

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