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02.02.2012 - Die Evangelische Landeskirche Anhalts - 500 Jahre Geschichte in der historischen Region Anhalt

Logo der Evangelischen Kirche Anhalts800 Jahre nach der Begründung des Fürstentums Anhalt weisen politische Grenzen heute so gut wie gar nicht mehr auf das Gebiet des historischen Anhalt hin. Als einzige öffentlich-rechtliche Institution bildet indes die Evangelische Landeskirche Anhalts nach wie vor die anhaltischen Grenzen ab – wie kommt das?
Um diese historische Besonderheit zu verstehen, muss man nicht 800, aber immerhin knapp 500 Jahre zurückschauen, ins Zeitalter der Reformation. Denn mit der Abkehr vom Papst-tum und von der bis dahin allmächtigen katholischen Kirche entstanden auch in Mittel-deutschland neue evangelische Kirchengebiete, die identisch waren mit dem Herrschafts-gebiet der regionalen Landesherren. In Steinwurfnähe zu Wittenberg, der Hauptwirkungs-stätte Martin Luthers, wandten sich die anhaltischen Fürsten in Dessau, Zerbst, Köthen und Bernburg zeitig der Reformation zu und legten damit den Grundstein für evangelische Ge-meinden und letztlich für die Evangelische Landeskirche Anhalts. Wie manch andere der evangelischen Landeskirchen in Deutschland besteht sie mit ihren derzeit rund 43.000 Mit-gliedern bis heute.
Bereits 1522 predigte Martin Luther in Zerbst, 1523 gab es in Zerbst den ersten evangeli-schen Pfarrer Anhalts. Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen war 1529 Mitunterzeichner der Protestation zu Speyer, eines wesentlichen Gründungsdokumentes der Reformation. Und 1534 wurde unter Fürst Georg III., den Luther für frommer als sich selbst hielt, auch in Anhalt-Dessau das „Abendmahl in beiderlei Gestalt“ an alle Gläubigen gereicht – also mit Brot und Wein. Wenn man ein Gründungsdatum für die Landeskirche sucht, so könnte es im Jahr 1578 zu finden sein: Ab da wurden alle angehenden anhaltischen Pfarrer nicht mehr in Wittenberg, sondern in Zerbst ordiniert.
Der aggressive Atheismus des sozialistischen Regimes nach 1945 führte zu starken Ein-schnitten in das kirchliche Leben. Die Kirchen in Anhalt blieben aber auch in diesen schwierigen Zeiten Orte der lebendigen Hoffnung auf Freiheit. Zur Wendezeit 1989/90 wurden sie zu Sammlungsorten der friedliche Revolution. Das Ende der SED-Diktatur bedeu-tete aber auch für die Evangelische Kirche in Anhalt neben neuen Möglichkeiten die Kon-frontation mit alten und neue Aufgaben: Menschen für das Christentum zu begeistern, die dem Glauben Jahrzehnte lang entfremdet worden waren, ist bis heute einer der größten Herausforderungen für die Evangelische Landeskirche Anhalts - zumal in einer von Überal-terung und Abwanderung geprägten Region. Geblieben, wenn auch in gewandelter Form, ist der Auftrag der Kirche, Hoffnung zu stärken, wo Menschen unter Ungerechtigkeit und Perspektivlosigkeit leiden. Ein Schatz und eine große Aufgabe zugleich sind die 214 Kirchen in Anhalt. Sie zu erhalten und zu nutzen kostet viel Kraft.
Was sich seit der Wende in Anhalt indes deutlich gewandelt hat, ist die Präsenz und Akzep-tanz der evangelischen Kirche in der Öffentlichkeit: Sie trägt Schulen und Kindergärten, zahlreiche soziale Einrichtungen über die Diakonie und ist im Bereich der Kultur, der Bil-dung und der gesellschaftlichen Verantwortung aktiv. Kirchenvertreter sitzen ganz selbst-verständlich mit Vertretern von Kommunen, Institutionen und Verbänden an einem Tisch, um über zentrale gesellschaftliche Fragen zu beraten. So hat die Evangelische Landeskir-che Anhalts durch beharrliche Arbeit über viele Jahre hinweg dazu beigetragen, einen kon-sensfähigen Weg für die Bewahrung der Elbe als Lebensraum und Kulturfluss zu finden.
„Das Jubiläum Anhalt 800 ist für uns ein wichtiger Anlass, unsere Region und damit auch unsere Arbeit, die wir in und für Anhalt leisten, stärker bekannt zu machen“, sagt Kirchen-präsident Liebig. „In der guten Tradition der in Anhalt so bedeutenden Bewegung der Auf-klärung sind wir zugleich vernünftig, fromm – und selbstbewusst.“

Text: Evangelische Landeskirche Anhalts 



Kalenderblatt vom 02.02.2012

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