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02.04.2012 - Von großer Bedeutung - Speckseite von Aschersleben

Speckseite bei AscherslebenDie „Speckseite“ ist ein großer Stein auf einem etwa 10 Meter hohen Hügel im Osten der Stadt Aschersleben, an der Schierstedter Chaussee. Laut einer Sage stammt dieser Stein von einem gewaltigen Riesen, dem dieser im Stiefel drückte. Da zog der Riese kurzerhand den Stiefel aus und schüttete das Dingelchen von Stein am Wege aus.
Er ist um die 2 Meter hoch, 2,5 Meter breit und soll noch 1 Meter tief in der Erde stehen. Aufgrund der Ähnlichkeit mit einem aufgerichteten langen Stein mit riesiger Speckseite, bekam er seinen Namen. In dem Stein sind einige Dutzend Nägel so eingeschlagen, dass nur noch ihre Köpfe zu sehen sind.
Die sagenhaften Erzählungen der Menschen berichten, der Stein sei bei jedem Gewitter weich geworden und die Menschen hätten versucht, den zürnenden Gott Thor zu besänftigen, in dem sie Nägel in die Poren des Steines trieben. Aber wohl eher wahrscheinlich ist, dass im Mittelalter die Speckseite Prüfstätte der Geschicklichkeit für Handwerksburschen und wandernde Gesellen war, die hier die vielen Nägel einschlugen. Da hier seit langem drei alte Handelsstraßen aufeinanderstoßen und archäologische Grabungen Asche- und Urnenreste zu Tage förderten, könnte auf der Anhöhe eine heidnische Opfer- und Begräbnisstätte gelegen haben. Für die Stadt Aschersleben hatte die Speckseite immer eine große Bedeutung, in jeder Chronik von Aschersleben wird über sie berichtet.
Im Laufe der Jahrhunderte stürzte die Speckseite zweimal um, aber sie wurde von den Vorfahren immer an ihrem Platze gelassen und erneut aufgerichtet. So auch in den Jahren 1575 und 1720.
Wie fast überall gibt es auch dazu kleine Geschichten und Sagen wie die folgende hier…

„Wie die ersten Nägel in die Speckseite kamen…

Einstmals kamen zwei wackere Handwerksgesellen ahnungslos des Weges daher. Hinter der Speckseite lauerten einige Tunichtgute und Raufbolde, die ihre Freude daran hatten, ehrsame Leute zu erschrecken. Mit viel Geschrei stürzten sie auf die Straße, überwältigten die Fremden und zogen sie bis vor den Stein. Nun gaben sie ihnen zu verstehen, dass ihr Leben verwirkt sei, wenn es ihnen nicht gelänge, einen Nagel in den Stein zu treiben, ohne das er sich verbiege. Die Burschen waren gottesfürchtige Leute, die sandten ein Stoßgebet zum Himmel, dann schlugen sie zu. Und siehe da, die Nägel versanken im Stein. Den beiden Gefangenen aber erwuchsen Bärenkräfte, so dass sie die Raufbolde verprügeln konnten, dass diese sich eilends davonmachten und nie mehr gesehen wurden.
Später haben noch viele Burschen versucht, Hufnägel in den Stein zu treiben, aber nur wenigen ist es gelungen ... und Bärenkräfte soll auch niemand von ihnen bekommen haben.“

(Quellen: Text: Sagen aus Aschersleben und Umgebung, I. Orlamünde, R. Giggel; Foto: Ingo Diron, Wikipedia)

 



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