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02.06.2012 - Wo mehrere Baustile eine Kirche formen - Die Coswiger St. Nicolai

Kirche St. Nicolai in Coswig (Anhalt)Sie ist wohl das älteste Gebäude der Stadt an der Elbe und ragt mit ihrem Turm weit über die Dächer von Coswig.
Um 1150 begann man mit dem Bau einer dreischiffigen Hallenkirche im romanischen Stil, deren Fundament heute im Fußboden des Chorraumes markiert ist. Sie war also die „Urform“ der heutigen Saalkirche mit Satteldach. Noch heute zeugen Verzierungen an den Triumphbögen von dieser Zeit.
Fürst Siegfried von Anhalt-Cöthen gründete 1272 in der Nähe der Kirche ein „Augustiner-Nonnenkloster“ und stiftete die St. Nicolai als Klosterkirche. Daraufhin erhielt das Gotteshaus einen geschlossenen gotischen Langchor mit drei Kreuzrippengewölben, welches heute noch in Resten erhalten geblieben ist.
Gut 250 Jahre lang diente die St. Nicolai als Klosterkirche, bevor sie 1527 wieder zur Stadtkirche umfunktioniert wurde, was man wohl hauptsächlich der Reformation zu verdanken hatte. Während der folgenden Kriege, wie etwa dem Schmalkaldischen oder dem 30-jährigen Krieg, wurde die Kirche mehrmals zerstört und immer wieder hoffnungsvoll aufgebaut. So mischten sich gegen Mitte des 16. Jahrhundert neben dem romanischen und gotischen Stil auch Renaissance-Elemente mit in den Bau, beispielsweise erkennbar an den sich im Schiff und Chor befindlichen Doppelemporen.
Ab 1687 folgen Neuaufbauten des Altars und der Kanzel im Barockstil unter Verwendung älterer Schmuckelemente. Giovanni Simonetti war für die Innenausstattung verantwortlich, speziell im Raum um den Taufstein. Des Öfteren erweitert wurde auch der 52 Meter hohe Turm der St. Nicolai. Auffallend ist, dass er mit quadratischer Form beginnt und im oberen Bereich in eine achteckige Form übergeht. Was man jedoch nicht sehen kann, sind die zwei Bronzeglocken aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die sich im Turm befinden. Der Kirchturm bietet einen wunderbaren Ausblick über die Elbauen oder in Richtung zum dicht bewaldeten Fläming.
Wussten Sie, dass die Coswiger St. Nicolai Kirche auch die Kirche mit den vielen Türen genannt wird? Das kommt daher, weil die Fürsten sowie die reichen Bürger von Coswig jeweils eine eigene Loge in der Kirche besaßen, die nicht nur von innen sondern auch von außen durch einen eigenen Eingang betreten werden konnte.
 



Kalenderblatt vom 02.06.2012

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