HomeStartseiteKalenderblätter

02.11.2012 - Wie "Karolius" die Wette gewann

„Karolius“ war der Spitzname für Karl Lumitsch aus Mosigkau. Ob er wohl für den amtlichen Straßennamen „Lebrecht–Karolius-Platz“ Pate gestanden hat? – Karl liebte den Alkohol, während in zacher Manier seine Frau selten ein paar Groschen für einen Kneipenbesuch übrig hatte. So machte er sich immer mal einen Sack Körner schmuh, um was „Flüssiges“ in die Hand zu bekommen. Eines Tages sitzt er beim „Schnäpser“, wie der Gastwirt Schiedewitz genannt wurde. Da kommt Müllers Älteste in die Gaststube und kauft drei Flaschen Hochprozentigen. Karolius sagt:“ Na Jette, du koofts woll for de Hochzeit in?“ – „Nu freilich“, sagt sie, „mir missn doch sähn, dass mor’ ne Batterie Flaschn zusammkriejn.“ Früher war auch bei ärmeren Leuten eine Hochzeit ein echter Sippentreff. Bis zum dritten und vierten Glied kam hier die gesamte Verwandtschaft zusammen. „Jette, horch ma druff, was ich diche sa’n mechte“ sagt Karolius, „passe man scheene uff, dass de dich bein Brautzuch nich ummekuhkn tust, sonst…. Na, du weeßt je!“ – „I, wo were ich denne. Ich wees schon, da leeft mich mein Justav weck, wahr? Ihr mit eiern Awerjloo’m," antwortete Jette. Daraufhin blickt Karolius listig über die Brille weg: “Wolln mor wettn, dass de dich ummekuhkn worscht?“ – „Nee, Karolius, da lähste scheep. Jut. Wettn mor um ne Pulle Schnaps.“ Am Hochzeitstag bewegte sich der Brautzug zur Kirche hin. Bei Lumitschs Haus guckte die Braut starr geradeaus. Als aber der feierliche Zug halb vorbei war, ging ein Lachen und Gejohle los, dass sich Braut und Bräutigam erschreckt umsahen. Was war passiert? Karolius hatte seine vierbeinige Liese in die gute Stube hineinmanövriert und sah nun mitsamt dem lebendigen Pferdekopf zum Fenster heraus. Die Überraschung war gelungen, und Lumitsch Karl konnte eine große Flasche „ Nordhäuser“ kassieren.



Kalenderblatt vom 02.11.2012

Alle bisherigen Kalenderblätter anzeigen