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03.09.2012 - Karl Wilhelm Fricke - "Die Dinge stets beim Namen nennen"

Karl Wilhelm Fricke wurde am 3. September 1929 in Hoym geboren. Im Alter von 16 Jahren erlebte er die Verhaftung seines Vaters Karl Oskar Fricke selbst mit. Dieser arbeitete als Lehrer, Journalist und Fotograf, zudem war er als Presseamtsleiter und stellvertretender Propagandaleiter der NSDAP-Ortsgruppe in Hoym tätig. 1946 durch die sowjetische Geheimpolizei festgenommen, starb Karl Oskar Fricke 1952 im Zuchthaus Waldheim an den Folgen einer Ruhr- und Grippeepidemie. Dieses Erlebnis prägte Karl Wilhelm Fricke sehr und er verweigerte den Eintritt in die FDJ, die Jugendorganisation der SED. Diese Entscheidung sollte seinen weiteren Bildungsweg und Werdegang stark einschränken. U. a. verweigerte man ihm nach dem Abitur das Studium. Am 22. Februar 1949 wurde er wegen angeblicher parteikritischer Äußerungen während seiner beruflichen Tätigkeit als Aushilfslehrer verhaftet. Nach einer Flucht aus dem Polizeigewahrsam und über die innerdeutsche Grenze, studierte er 1953 an einer Hochschule in Wilhelmshaven und später an der Freien Universität Berlin. Er begann journalistisch zu arbeiten. Vor allem seine kritischen Texte, welche das Regime der DDR thematisierten, ließen ihn in den Augen des Ministeriums für Staatssicherheit sehr unliebsam erscheinen.
Mit Hilfe von inoffiziellen Helfern der Staatssicherheit wurde er am 1. April 1955, bewusstlos durch Betäubungsmittel, von West- nach Ostberlin verschleppt. Wegen „ Kriegs- und Boykotthetze“ verurteilt, verbrachte er in Brandenburg und in Bautzen vier Jahre in Einzelhaft. Während seiner Haft wurde auch seine Mutter zu zwei Jahren Haft verurteilt, „Staatsverleumdung und Devisenvergehen“ wurden ihr vorgeworfen. Am 31. März 1959 wurde Fricke nach vollständiger Haftzeit nach Westberlin entlassen. Er nahm seine literarische Arbeit wieder auf und veröffentliche Bücher über den MfS-Apparat, die Politik und die politische Justiz in der DDR.
In Köln war er von 1970–1994 leitender Redakteur des Deutschlandfunks. Nach Stasiaktenöffnung 1992, enttarnte man einige Spitzel und Agenten, welche ihn auch in Köln verfolgt und observiert hatten. Ausgezeichnet wurde Fricke 1996 mit der Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin und 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Die Stasihaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen ist seit 1995 Gedenkstätte, in deren Stiftung Fricke langjährig als Vorsitzender des Beirates tätig war. Seit der friedlichen Maueröffnung hält er Lesungen und Vorträge über seine persönliche Verfolgungsgeschichte. Karl Wilhelm Fricke lebt heute in Köln.
 



Kalenderblatt vom 03.09.2012

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