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03.10.2012 - Der Kiez e.V. - Dessau und die Stolpersteine

Der Kiez in der bertolt-Brecht-Straße, Dessau-RoßlauKiez ist die Abkürzung für kulturelles Informations- und Einwohnerzentrum e.V. Dies ist ein gemeinnütziger Verein, welcher sich für soziale und kulturelle Bereiche einsetzt. Gegründet wurde der Verein 1991. Er hat seinen Sitz im Stadtteil Dessau-Nord, in der Berthold-Brecht-Straße. Die Gründer des Kiez besetzten damals ein Haus in dem Dessauer Gründerzeitviertel, um die Öffentlichkeit auf das Thema des Erhalts dieser historischen Bausubstanz aufmerksam zu machen. Sie bauten das Haus aus und errichten später auf einem benachbarten Grundstück ein zweites Haus.
Der Verein hat viele soziale und kulturelle Angebote für jung und alt, zum Beispiel eine Theatergruppe für Jugendliche, ein spezielles Kinoprogramm nur für Schüler, ein offener Jugendbereich und die Aktion „Kunst im öffentlichen Raum“ sowie Nachhilfe für Schüler. Im Kiez befinden sich auch das einzigste Programmkino Dessaus und ein kleines Cafe.

Unter anderem arbeitet der Verein seit 2008 mit der Gedenkkultur Dessau- Roßlau gemeinsam an dem Projekt „Stolpersteine“. Die Stolpersteine sind ein dezentrales Denkmal im öffentlichen Raum zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie erzählen das Leben ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger. Meist werden diese Steine an den von den betroffenen Opfern letzten Wohnorten verlegt.
Durch Bereitstellung von Spenden und / oder Übernahme von Patenschaften wird die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines finanziert. Paten können Einzelpersonen oder Gruppen werden. Der Künstler Gunter Demnig entwickelte dieses europaweite Mahnmal.
In Roßlau beispielsweise wurden in der Mühlstrasse 47, ehemals Amtsmühle, zwei Steine in die Erde eingesetzt. Es sind die Stolpersteine der Zwillingsschwestern Anna und Hertha Bruck (1910- 1942), die Kinder des Roßlauer Mühlenbesitzer Richard Bruck und dessen Ehefrau Anna. 1938 wurde das Wohnhaus der jüdischen Familie geplündert. Mutter und Kinder wanderten nach Frankreich aus, nachdem der Vater Richard ins KZ Buchenwald verschleppt wurde. Die Zwillinge schlossen sich einer Widerstandsbewegung an und wurden 1942 im September verhaftet und nach Auschwitz gebracht, wo sie noch im selben Jahr umgebracht wurden.
Auch heutzutage finden noch heftige Diskussionen über dieses Projekt statt. Kritiker meinen, dass die Erinnerung für kommerzielle propagandistische Zwecke missbraucht wird oder „die ganze Aktion den Hass gegen die Juden verstärken würde“. Doch die Stolpersteine sind und bleiben Kunstwerke.
 



Kalenderblatt vom 03.10.2012

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