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04.11.2012 - Das gestörte Nachtlager - eine kleine Geschichte von Hobusch

„Soll ich mich villeicht ´n Tod holn?“

So es die Umstände erforderlich machten, schlief Hobusch auch gelegentlich bei „Mutter Grün“. Wenn sich aber der Herbst ankündigte und die ersten Nebel aus der Muldaue auf die Stadt zukrochen, war es mit dem „Plattereißen“, d. h. Nächtigen im Freien, vorbei.
Wieder einmal hatte das Hobusch nicht bedacht, und es wurde ihm zu kühl und zu feucht unter der Taxushecke im Lustgarten. Gar nicht weit, auf der Südseite der Muldstraße, war der Marstall, wo die herzoglichen Pferde versorgt wurden. Wegen Bauarbeiten waren die Türen herausgenommen und lehnten gleich daneben gegen die Hauswand. Regenfeucht legte sich Hobusch, seinen unterbrochenen Schlaf fortsetzend, zwischen Wand und schräger Tür. So fand ihn die Stallwache. Mitleidig forderte man Hobusch auf, im warmen Pferdestall auf Stroh sein Lager zu nehmen. Entrüstet lehnte der ab: „Was denkter eich denne? – Ich lä’e jerade in’n erschtn Schweeß, un da soll ich uffschtehn? – Ihr wißt woll jar nich, daß mor sich da ´n Tod holn kann?“

Quelle
Titel: "Kleine Hobuschiade"
Herausgeber: Rat der Stadt Dessau, Abt. Kultur

 

 



Kalenderblatt vom 04.11.2012

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