HomeStartseiteKalenderblätter

07.03.2012 - Traditionen aus Anhalt – Brautkauf und Taufe in Großkühnau und Ziebigk

Das Fürstentum Anhalt, Karte von Peter Schenk (1710)Die Geschichte unseres Landes hat viel zu bieten: Fürsten und Erfinder, Kirchen und Schlösser, Firmen und deren Erzeugnisse.
Aber auch Traditionen darf der Anhalter sein Eigen nennen. Einige von ihnen wurden bis zum heutigen Tage bewahrt, andere sind längst abgelegt. Gerade die ältere Generation kann sich an so manchen Brauch erinnern. Die hier aufgezählten Bräuche wurden von Johannes Grape in einem Buch niedergeschrieben und beziehen sich hauptsächlich auf die Dessauer Ortsteile Ziebigk und Großkühnau, was aber keinesfalls heißt, dass es Andernorts nicht auch so war.

Weit verbreitet gewesen ist demnach wohl der Brauch, als Bräutigam seine zukünftige Frau zu kaufen, das heißt ihr ein Geldgeschenk von etwa zwei Talern zu machen.
Kam sie von auswärts, so wurde sie mit einer Kutsche abgeholt, deren Pferde ebenso wie die Peitschen des Kutschers mit roten Bändern geschmückt waren.

Hatte sich Zuwachs eingestellt und die frische gebackene Mutter hielt ihren ersten Kirchgang nach der Geburt ab, so versteckten Angehörige das Kind im Haus. Die heimgekehrte Mutter machte sich nun auf die Suche nach ihrem Sprössling und hatte sie ihn gefunden, bedankte sie sich mit einem kleinen Geschenk, etwa einem Groschen, einem Tuch oder einem Glas Branntwein.

Jedes Kind erhielt eine Taufe und zu jeder Taufe gab es ein Taufmahl, bei dem sich immer eine Vielzahl von Gästen einfand. Das Mahl bestand traditionell aus einem Gänse-, Rinder- oder Schweinebraten, den der Kantor persönlich mit eigens dafür aufbewahrtem Besteck aufschnitt. Die Gabel blieb im Fleisch stecken und musste von einer weiblichen Person mit Hilfe eines bunten Bandes rausgezogen werden. Erst dann durfte gespeist werden. Die Gäste bekamen nach der Feier mit Backpflaumen belegte Semmeln oder Hirsebreibemme mit nach Hause.

Übrigens standen eine Zeit lang auch höhere Personen als Paten zur Verfügung. So ist nachzuweisen, dass 1686 Prinz Leopold, Fürst zu Anhalt, für das Kind des Försters Pate war, 1735 die Frau des Alten Dessauers, Anna Luise, für das Kind des Gastwirts und 1762 Fürst Leopold Friedrich Franz als Pate eingetragen wurde.

Mehr über die Anhaltischen Traditionen erfahren Sie im Buch von Johannes Grape „900 Jahre Anhaltischer Dorfgeschichten“, 1995 (Orig. 1904).

 



Kalenderblatt vom 07.03.2012

Alle bisherigen Kalenderblätter anzeigen