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07.09.2012 - Die Sage von der Günthersburg

„Tief versteckt zwischen Wald und Felsen liegt die Günthersburg. Oder besser gesagt, die traurigen Reste dieser einst stolzen Ritterburg. Nur der nächtliche Spuk, zeugt noch von den einstigen Ereignissen und harrt seiner Erlösung.

Vor vielen Jahrhunderten reiste ein Kaufmann mit seiner jungen, schönen Tochter über den Harz.  In der Höhe der Günthersburg hörte er das Horn des Torhüters ertönen. Man hatte dem Kaufmann berichtet, dass es auf der Hochfläche ein Raubnest geben sollte. Eilig, die Zügel seiner Tochter fassend, ritt er die Straße weiter. Aber man hatte die Reisenden erspäht!  Der Burgjunker brach aus dem dichten Wald hervor, erschlug den Kaufmann und führte dessen Tochter samt aller Waren mit sich in die Burg.

„Was für ein feines Schätzlein!“ rief der Junker. „Holt den Burgpfaffen! Gleich soll er sie mir antrauen und morgen gibt es eine schmucke Burgfrau in der Günthersburg!“  Da kniete die Jungfrau nieder und schrie zu Gott um Erbarmen. Schließlich konnte sie den Mörder ihres Vaters nicht zum Gemahl nehmen. Blanke Panik erfasste sie und sie rief den Junker an, doch Erbarmen mit ihr zu haben. Da trat der Kaplan ein. Es war ein ehrwürdiger und freundlicher Greis,  der versuchte, den Junker von seinem frevelhaften Vorhaben abzubringen. Aber der  Junker schwor, sich nicht von Gott und Papst von seinem Willen abbringen zu lassen.

Da – als hätte ein Blitz sie zur Erde gestreckt, lag bleich und still das Mädchen als Leiche am Boden. Der Junker war vor Schreck erstarrt. Und der Priester dankte Gott für die Erlösung der armen Seele. Er begrub sie noch und ging von dannen in ein Kloster.

Der Junker aber fand keine Ruhe mehr! Allnächtlich sah er die fremde Jungfrau durch die Gemächer der Burg schweben. Wehklagend und drohend artikulierte sie und verschwand erst am Morgen wieder. Der Junker aber bekam immer mehr Gewissensangst und entfloh für immer seiner Heimat. Wo er abgeblieben ist weis niemand. Aber immer um Mitternacht zeigt sich der Geist der Jungfrau und will einfach keine Ruhe finden. Erst muss ein junger Mann die Gebeine des Vaters in geweihter Erde begraben. Aber wer soll das tun?“


Aufgeschrieben von Bernd Sternal
 



Kalenderblatt vom 07.09.2012

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