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07.12.2012 - Henriette Amalie Prinzessin von Anhalt-Dessau

Bockenheim um 1855Henriette Amalie von Anhalt-Dessau wurde am 7. Dezember 1720 in Dessau geboren. Sie war die jüngste Tochter des Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau und Anna Luise Föhses. Mit 21 Jahren gebar sie ein uneheliches Kind von dem Sohn des Jagdzeugmeisters. Da sie sich weigerte, den Vater des Kindes zu heiraten, wurde sie verbannt und lebte in den darauf folgenden Jahren in dem freiweltlichen Frauenstift in Herford als Stiftsdame. Stiftsdamen wurden Frauen, die alleinstehend waren, das evangelische Bekenntnis besaßen und nicht älter als 60 Jahre alt waren. Außerdem mussten die Frauen bei Eintritt in den Stift ein Gelübde der Keuschheit und des Gehorsams ablegen. Stiftsdamen wohnten in klosterähnlichen Gebäuden, wo sie ihr eigenes Mobiliar und Dienerschaften mitbrachten.
Alle Versuche ihres Vaters, seine Tochter dem Stande gemäß zu verheiraten, scheiterten. Der 15 Jahre jüngere Baron von Rackmann lebte zu dieser Zeit mit der Prinzessin Henriette Amalie zusammen. Durch diese Beziehung wurde er in den Reichsgrafenstand zum Baron erhoben. Henriette Amalie musste ihren Sohn zu einer Frankfurter Bankiersfamilie in Pflege geben. Sie erwarb bei Frankfurt eine große Liegenschaft. Vermutet wird, dass sie dies tat, um in der Nähe ihres Sohnes zu sein. Um umfangreichen Ackerbau zu betreiben, kaufte die Prinzessin 1753 ein Gut, zu dem ein herrschaftliches Haus und eine Orangerie gehörten. Durch Anpachtung und Kauf vieler großer Güter wurde die Prinzessin die größte Grundbesitzerin in Bockenheim. Sie ließ Apfelwein keltern, verkaufte Orangen aus ihren Gewächshäusern und führte die Seidenraupenzucht ein. Für die Zucht von Seidenraupen ließ sie Maulbeerplantagen, Obst- und Gemüseplantagen anlegen. Das Rittergut in Kreuznach erwarb sie ebenfalls und sie ließ darauf ein Schlösschen im klassizistischen Stil, das heutige Schlossparkmuseum, erbauen. Es wurde im Jahre 1775 fertig gestellt. Durch ihr sparsames Wirtschaften, penible Buchhaltung und finanziellen Weitblick sagte man ihr nach, sie sei fünf Mal so reich, wie der reichste Bauer im Ort. Sie unterstützte zahlreiche Künstler, in dem sie deren Werke käuflich erwarb. Mit ca. 30 Jahren starb ihr Sohn an der Schwindsucht (heute als Tuberkulose bekannt). 1792 kehrte Henriette Amalie wieder in ihre Heimatstadt Dessau zurück und wohnte dort in der von ihrem Vater erbauten Stadtresidenz „Palais Dietrich“, wo sie ein Jahr später, am 5. Dezember 1793, verstarb. Nach ihrem Tod wurde ihr gesamtes Hab und Gut den Armen und Kranken in Dessau vermacht und es wurde die Amalienstiftung gegründet.


 



Kalenderblatt vom 07.12.2012

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