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08.02.2012 - "....ein gewaltig fest schloss ....."

Die Roßlauer BurgMit diesen Worten beschreibt der Chronist Beckmann in seiner Historie des Fürstenthum Anhalt von 1710 nicht die Roßlauer Burg sondern die Burg Waldeser, er führt auch weiter aus, das dort die Fürsten  „...ihr wesentlich Hoflager...“ hatten.  Hatte er damit Recht oder hat er Waldeser und Roßlau verwechselt? Denn diese Beschreibung könnte auf die Burg Roßlau zutreffen.

Ein mächtiger Bergfried, dessen Reste unter dem heutigen Burghof liegen,  deutet die einstige strategische Bedeutung der Roßlauer Burg an. Er erhärtet auch die Aussage das 1115, als Otto von Ballenstedt die Slawen bei Köthen vernichtend geschlagen hatte, durch ihn auch das Roßlauer Gebiet erobert, und  mitten in einer alten Slawenburg  die deutsche Burg errichtet wurde.  Die Burg erfuhr dann vermutlich im 13. Jahrhundert bedeutende baulich Erweiterungen, der noch stehende Wohnturm und die Ringmauer wurden errichtet , ebenso wie zwei weitere Gebäude, von denen wir nur noch die Grundmauern kennen, der Bergfried wurde geschleift und eine aufgefundene Steinkammer-Luft-Heizung  deutet den Komfort der mittelalterlichen Burg an. Aber auch in der Unterburg gab es bedeutende Bauwerke, immerhin wurde hier im Zuge der Errichtung einer Trafostation eine weitere spätromanische Steinkammer-Luft-Heizung gefunden und ältere Burgansichten zeigen uns in diesem Bereichen ebenfalls Reste eines Turmes.
Das die Roßlauer Burg nicht ganz bedeutungslos für die Fürsten von Anhalt war, ist erkennbar an Baurechnungen,  Inventare und Bauspuren  aus dem 16. Jahrhundert. Es wurden zahlreiche Gebäude erneuert, das Dach umgedeckt, Räume renoviert und  sogar der Neubau eines Schloßgebäudes geplant.
Als Amtssitz, Gutshof bzw. Domäne glich die Burg in den späteren Jahrhundert ehr einem Bauernhof, es wurde nur das nötigste repariert und der Verfall der Burggebäude setzte ein. Erst Herzog Heinrich von Anhalt-Köthen setzte 1836 dem ein Ende und ließ die Burg umfassend sanieren, im neugotischen Stil, was noch heute an zahlreichen architekturmerkmalen erkennbar ist. Mit dem Abdanken des Herzogs von Anhalt 1918 wurde auch die Burg beräumt und 1926 5 Wohnungen für kinderreiche Familien eingerichtet, „...mit allem Komfort der Neuzeit...“ wie Bernhard Heese im Anhalter Anzeiger zu berichten wusste. Bewohnt war die Burg bis zum Ende der 1980er Jahre und steht seit dem leer.
Es war an dem 1999 gegründeten Förderverein Burg Roßlau,  die Ärmel hochzukrempeln und der Burg wieder Leben einzuhauchen.  Gemeinsam mit dem Eigentümer der Stadt Roßlau, jetzt Dessau-Roßlau, wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen um die Gebäude statisch zu sichern und der Burghof wurde nicht nur erneuert sondern auch barrierefrei gestaltet. Dabei steht das größte Projekt 2012 ins Haus, die komplette Erneuerung der Dacheindeckung.

Mehr erfahren Sie hier: www.burgrosslau.de

Text: Torsten Vollert,  Förderverein Burg Roßlau de.V.


 



Kalenderblatt vom 08.02.2012

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