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08.08.2012 - Eine Geschichte über die Burg Hundeluft

"Bei dem Dorfe Hundeluft liegt eine alte Burg. Sehr viel ist nicht mehr von ihr da, nur das Siebeneck der Grundmauern in ungefährer Manneshöhe. Aber an ihnen sieht man heute noch, dass die Burg einst sehr fest gewesen sein muss. Es war sicher schon eine harte Arbeit, sie zu zerstören, eine viel schwerere natürlich, sie zu bauen. Denn die Mauern, die noch stehen, sind aus mächtigen Findlingssteinen fest zusammen gefügt, und die Burg liegt noch heute mitten im Sumpfe. Nur an einer Seite, nach dem alten Gutshause zu, ist die Burghälfte durch eine Art Damm mit dem festen Lande verbunden. Aber man geht nicht gern über andere Leute Hof. Darum wollen wir sehen, dass wir von der Chaussee aus hinüber kommen. Das ist nicht ganz leicht, obwohl die Ruine nur einen starken Steinwurf von der Straße entfernt liegt. Zunächst müssen wir auf ein paar Baumstämmen über einen ziemlich breiten, aber nicht tiefen Wassergraben balancieren. Drüben sehen wir schon, wie wir weiterkommen, ganz geradezu geht es aber nicht, denn überall sind kleine Wasserläufe oder Sumpfstellen. Aber endlich schaffen wir es doch, und wir stehen in den Ruinen der Burg Hundeluft. Es ist jetzt ganz still und friedlich hier. Nur der Hund auf dem Hofe bellt, als ob er meinte, das wir da, wo wir sind, nichts zu suchen hätten, und Hühner, die durch Lücken im Zaun gekrochen sind, suchen Futter in dem dichten Buschwerk. Vögel hüpfen von Ast zu Ast, und mitten in der Ruine steht ein Vogelfutterhaus, das den kleinen Sängern die Nahrungssorgen während des Winters erleichtern soll. Im Jahre 1412 war es. Die Mark Brandenburg hatte einen neuen Herrn bekommen, den Burggrafen Friedrich von Nürnberg aus dem Geschlechte der Hohenzollern. Der wollte dem geplagten Lande nach schweren 100 Jahren die Ruhe wiederbringen. Das ging aber nur, wenn einer der Herr des Landes war, und das musste der neue Markgraf sein. Ein großer Teil des Adels hatte sich aber daran gewöhnt, im Lande so zu schalten und zu walten wie es ihm beliebte, und wollte sich dem neuen Fürsten nicht fügen. Vor allem die Quitzows. Da fasste Friedrich hart zu und brach die Burgen und die Macht der widersetzlichen Edelleute.  Diese hatten auch über die Grenzen der Mark hinaus ihren Unhang, und der Markgraf hatte darum mit den benachbarten Fürsten geredet, das sie alle im Bunde gleichzeitig, jeder für sich auf bestimmte Burgen, vorgehen sollten. Graf Albrecht von Anhalt, der den Quitzows manches dankte, wollte ihnen zuerst die Stange halten, ließ sich aber dann überzeugen, dass es notwendig sei, ihre Macht zu brechen, und erhielt die Burg Hundeluft zur Eroberung zugewiesen. In dieser saßen die Herren von Walwitz. Graf Albrecht rückte am 2. Februar mit den Zerbster Bürgern vor die Burg und belagerte sie einen Tag und eine Nacht. Da es Winter war, kann man wohl annehmen, dass der Sumpf ringsherum zugefroren war und man so leichter an die Burg heran kommen konnte. Bei dem Sturme wurde ein Zerbster Bürger, ein Bauernknecht, tot geschossen. Dann ergaben sich die Belagerten. Der Burgherr selber scheint gar nicht in Hundeluft gewesen zu sein, denn die Zerbster Ratschronik erzählt, die Walwitzer seien zu der Zeit in Dessau gewesen, und Graf Georg habe sie dort unter seinem Schutze gehabt, wodurch es fast zu einem Zerwürfnis zwischen ihm und seinem Bruder Albrecht, dem Eroberer des Schlosses, gekommen wäre. Die Walwitzer haben dann noch lange in Dessau gewohnt und dort einen freien Sattelhof, wie man damals die Rittergüter nannte, besessen, sind dann aber in ihren Besitztum herunter gekommen, der Sattelhof ging in andere Hände über, und die Familie verschwand oder starb aus. Die Burg scheint bei dieser Eroberung nicht zerstört worden zu sein, denn die Grafen von Anhalt, in deren Hand sie als Eigentum blieb, verkauften sie 1457 an die Herren von Zerbst, und die haben noch lange darauf gewohnt. Auf welche Weise sie zur Ruine geworden ist, verkündet kein Schriftstück."

Nachzulesen in dem Buch: Anhaltisches Sagen – und Geschichtsbuch von Bernhard Heese
 



Kalenderblatt vom 08.08.2012

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