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09.02.2012 - 800 Jahre Anhalt: Alles begann mit Bernhard

Bernhard von AskanienGraf Bernhard III. war im besten Alter, als sein Vater starb. Albrecht I., genannt Albrecht der Bär, hinterließ seinem jüngsten Spross im Jahr 1170 unter anderem den Bezirk von Ascania als Hausbesitzung. Das Gebiet um die Stadt Aschersleben – der Bezirk Ascaria, wie auch der Name des alten Adelsgeschlechts der Askanier leitet sich vom latinisierten Namen der Stadt ab – wurde zum Herzen seines Machtgebietes.
Schnell sammelte Bernhard III. weitere Ländereien: Er wurde Graf von Ballenstedt, erhielt die Herrschaft über Plötzkau. Kaiser Friedrich I. Barbarossa ernannte ihn letztlich gar zum Sachsenherzog. Doch bis dahin sollte es ein weiter Weg sein.
Der Graf mit der Lockenmähne und dem spitzen Kinn war machtbewusst und kampferprobt. Schon als 19-jähriger Jüngling begleitete er Barbarossa auf dessen Italienzug. Ebenfalls schon in jungen Jahren lernte er den Widersacher seines Geschlechts kennen: Heinrich den Löwen aus dem Geschlecht der Welfen. Die Feindschaft war andauernd und blutig: Heinrich machte Bernhard die Grafschaft Plötzkau streitig – schon bald sprachen die Waffen.

Kampf mit dem Löwen
Die Stadt Aschersleben wurde verwüstet, Halberstadt dem Erdboden gleich gemacht. Das war 1179. Bernhard erwies sich als hartnäckig und setzte sich durch. Bald hieß der Zankapfel Sachsen. Und auch hier blieb Bernhard III. letztlich erfolgreich. Allerdings erst, als Barbarossa sich mit Heinrich überwarf und der Löwe deshalb nicht mehr so recht beißen konnte. Das Sachsenland wurde geteilt - Bernhard III. war Herzog von Sachsen-Wittenberg.
Nun war Bernhard III. eine wichtige Figur im Machtgefüge des Reiches: Er hatte das Kaiserwahlrecht inne, trug den Titel Erzmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Und er machte große Politik: Zwar wählte er Heinrich VI. mit zum Kaiser. Er hintertrieb allerdings erfolgreich dessen Bestreben, die Kaiserwürde künftig einfach zu vererben.
Es gibt sogar Quellen, die vermuten, dass Bernhard das sächsische Wappen begründete: Über den alten Schild des askanischen Hauses legte er fünf schwarze Balken im goldenen Felde. Als Zeichen für seine jüngere Geburt soll er  den schrägen Lilienbalken zugefügt haben.

Stadtrecht und Landausbau
Im Alltag war die Herrschaftszeit Bernhards geprägt durch das Erstarken der Städte. 1188 erweiterte das benachbarte Magdeburg sein Stadtrecht durch ein weitreichendes „Privileg“. Das wurde Vorbild für viele Städte in der Region und darüber hinaus. In den Städten erwirtschafteten Handwerker und Kaufleute Wohlstand. Trotz des Selbstbewusstseins der Bürgerschaft entwickelten sich die Städte am besten in der Nähe der herrschaftlichen Sitze, weil die Siedlungen hier Schutz genossen.
Zugleich trieben die Askanier - Bernhard III., aber auch zuvor schon sein Vater - einen intensiven Landausbau voran. Bauern bekamen erhebliche Vorteile, wenn sie sich ansiedelten: Persönliche Freiheiten, teilweise Frondienst- und Abgabenbefreiungen, das Recht zur Bildung eigener Rechtsgemeinschaften und einiges mehr. Die Folge war Zuwanderung. Aus den slawischen Gebieten im Osten, aber auch von Westen bis aus dem Flandrischen zog es Bauern in die Region.
Für die Region Anhalt hatte das Wirken von Bernhard III. enorme Bedeutung. Am wichtigsten aber war sein Tod: Sein Sohn Albrecht sollte als Herzog über die Sachsen regieren, der ältere Sprössling, Heinrich I., wurde Fürst von einem Gebiet, das seither Anhalt genannt wird. Graf Bernhard III. starb am 9. Februar 1212 – sein Tod jährt sich demnächst zum 800. Mal.

Text: Uwe Schimunek

Lesetipps:
Bartmuß/Karthe: Kleine Geschichte Sachsen-Anhalts, Mitteldeutscher Verlag
Tuller: Geschichte Sachsen-Anhalts, C.H. Beck
 



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