HomeStartseiteKalenderblätter

09.03.2012 - Die Sage vom Krötenring

Unter den Kostbarkeiten, die das herzogliche Haus Anhalt von seinen Vorfahren her besitzt, befindet sich ein seltsamer Ring. Er ist von feinem blassen Golde und mit Diamanten verziert. Niemand weiß, wer ihn angefertigt und getragen hat. Da es sich um einen Damenring handelt, lässt sich darauf schließen, dass er einer Fürstin, die zur damaligen Zeit lebte, gehörte.
Eine weitere Besonderheit ist die offene Form des Ringes. Er ist nicht geschlossen, sondern besitzt eine Öffnung an der schmalsten Stelle. Seinen Namen "Der Krötenring" verdankt er folgender Sage:

„Vor alten Zeiten lebte in Dessau eine Fürstin, die war so gütig und mildtätigen Herzens, dass sie nur immer darauf bedacht war, den Menschen, die es nötig hatten, Gutes zu erweisen. Wer von den Untertanen Not erlitt oder Sorgen hatte, kam zu ihr, und wenn sie irgend konnte, half sie mit ihrem Rat und ihren Gaben. Sie warf die Brocken und Brotsamen, die beim Essen abfielen, nicht achtlos beiseite, sondern strich sie fein sorgsam auf dem Mundtuche zusammen und schüttet sie vor das Fenster, auf dass die Vögel davon Speise hätten. Das tat sie jeden Tag und freute sich, wenn es den kleinen Sängern oder auch den nichtsnutzigen  Spatzen schmeckte. Eines Tages sah sie nun, wie eine große Kröte schwerfällig auf dem Boden dahin kroch, unter dem Fenster der Fürstin stille hielt und von den Brotsamen, die auf die Erde gefallen waren, nahm. Von da ab kam das Tier jeden Tag, lange Zeit hindurch.
In einer Nacht nun lag die Fürstin zu Bett und konnte nicht schlafen. Da stand mit einem Male eine fremde Frau mit einer Laterne in der Hand vor ihrem Lager. Wie sie hereinkam, war ganz rätselhaft. Die Fürstin erschrak zuerst sehr, aber die Fremde sagte, sie möge sich nicht sorgen, sie habe nichts Böses im Sinne. Ihre Frau Kröte habe sie gesandt, um der Fürstin für die Brocken Brotes zu danken, die sie unter dem Fenster des Schlosses erhalten habe, und schicke ihr aus dankbarer Erkenntnis einen Ring. Diesen möge die Fürstin aber wohl verwahren und dafür Sorge tragen, dass er immerdar im fürstlichen Hause bleibe. Solange dies gehalten werde, solle es den im Schlosse Wohnenden vom Stamme des Hauses Anhalt wohlergehen und der Stamm werde nicht aussterben. In der Christnacht aber solle man im Schlosse fleißig Aufsicht auf das Feuer haben, weil sonst in einer solchen heiligen Nacht das Schloss leicht in Brand geraten und ganz und gar abbrennen könnte. Damit verschwand die Frau so geheimnisvoll, wie sie gekommen war und die Kröte wurde von da an nicht wieder unter dem Fenster gesehen.“

Diese und weitere Sagen aus Anhalt finden Sie im Buch von Bernhard Hesse "Anhaltisches Sagen-und Geschichtenbuch"



Kalenderblatt vom 09.03.2012

Alle bisherigen Kalenderblätter anzeigen