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09.06.2012 - Das Philanthropinum in Dessau – die Schule der Menschenfreundschaft

Philanthropinum im Detail, Foto: Hannes Zeise, Quelle: www.dessau.deDas Philanthropinum, dies ist der Name einer Schule, die im Jahre 1774 als „Schule der Menschenfreundschaft“ von Johann Bernhard Basedow (1724-1790) und Christian Heinrich Wolke (1741-1825) gegründet wurde. Sie stellte den Beginn einer modernen Schulreform und den pädagogischen Protest gegen die damalige zurückgebliebene Schulrealität dar.
Das Dessauer Philanthropinum genoss großes Ansehen in ganz Europa. Es war die wichtigste Lehrstätte des Philanthropismus, der Lehre von der Erziehung zur Natürlichkeit, Vernunft und Menschenfreundschaft. Ziel dieser Bewegung war es, das selbständige Denken zu fördern, lebenspraktische Lehrinhalte zu vermitteln, religiöse Toleranz zu lehren und den Unterricht mit Anschaulichkeit zu gestalten.
Die sich ursprünglich im Rautenstockschen Haus am Neumarkt befindliche Einrichtung bestand bis 1793. Bereits zwei Jahre nach der Gründung trat Basedow jedoch als Leiter zurück. Ab 1777 nutzte die Schule das Gebäude des Palais Dietrich. Es handelte sich um eine reine Jungenschule. Die Lehranstalt war für jeden zugänglich, also weder an Konfession oder Stand gebunden.
Mit der Einführung eines hohen Schulgelds beschränkte sich der Großteil der Schüler auf Kinder wohlhabender und gebildeter Familien, wovon einige sogar aus Russland, Österreich, Portugal oder den Niederlanden kamen.
Um die Zusammengehörigkeit der Schüler auch nach außen sichtbar werden zu lassen, trugen die Schüler einheitliche Kleidung und eine vorgeschriebene Kurzhaarfrisur. Sie erfuhren eine „vernünftig-natürliche“ Erziehung durch Erlernen moderner Sprachen, Naturwissenschaften und körperlicher Ertüchtigung.
Trotz zahlreicher Spenden litt die Schule stets unter finanziellen Problemen, da auch die Schülerzahl stark sank. Hinzu kamen noch andauernde Uneinigkeiten im Lehrerkollegium, und so schloss das Philanthropinum 1793 seine Pforten.
Erst im Jahre 1947 wurde die, sich nun im Palais Dietrich befindliche, Goethe-Oberschule III in „Philanthropinum“ umbenannt und so knüpfte man wieder an die alten Basedowschen Traditionen an. Später zog die Schule in die Mauerstraße und dann in die Friedrich-Naumann-Straße, wo sich das Philanthropinum heute noch befindet.
Nach der Wende wurde aus der Oberschule wieder ein Gymnasium. Das Gebäude wurde saniert und ist heute eine namenhafte Schule in Dessau mit über 1000 Schülern und 100 Lehrern.

 



Kalenderblatt vom 09.06.2012

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