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09.10.2012 - Die Sage von der Butterjungfer

Denkmal der Butterjungfer in Zerbst. Foto C. RatzelVor langer Zeit stand dem Grafen von Lindau das Recht zu, für Butter, Käse und andere Waren, die nach Zerbst gebracht wurden, einen Zoll zu erheben, der aber mit der Zeit so hoch wurde, dass die Bauern ihre Erzeugnisse nicht mehr in die Stadt hineinbrachten, sondern vor dem Heidetor am Butterdamm, der davon seinen Namen haben soll, feilboten. Für die Zerbster Hausfrauen war es freilich keine angenehme Aufgabe, bei Wind und Wetter den weiten Weg bis zum Butterdamm zu wandern, um dort Butter, Eier und Käse einzukaufen. Endlich fand sich eine vornehme, vermögende Jungfrau, die entschlossen war, die Zollgerechtsame zu Gunsten der Stadt durch einen Kauf abzulösen. Sie begab sich eines Tages zum Grafen von Lindau und bat ihn, ihr den Zoll käuflich abzutreten, damit der Buttermarkt in die Stadt verlegt werden könne. Der Graf ging wohl auf den Vorschlag ein, stellte aber zur Bedingung, dass der Kaufpreis so viele Goldstücke betragen solle, als die Käuferin Schritte machen müsse, um den Weg vom Butterdamm bis zum Marktplatz zurück zulegen. Freilich musste sich die edelmütige Zerbsterin sagen, dass ihr Vermögen kaum zureichen würde, um die nötige Geldsumme auszubringen, aber sie mochte von ihrem Entschlusse nicht zurückstehen. Schließlich erklärte sie sich einverstanden, es wurde ein Tag festgesetzt, an welchem die Zahlung in der besprochenen Weise stattfinden sollte. Die Zwischenzeit benutzte die Jungfrau, um ihr Hab und Gut in blanke Goldmünzen umzusetzen. Dann stellte sie sich am verabredeten Tage auf dem Butterdamm ein, wo schon die Vertreter des Grafen auf sie warteten. In deren Begleitung wanderte sie dann in die Stadt zurück, in dem sie jeden Schritt der langen Wegstrecke mit einem Goldstück belegte, und ihre Barschaft reichte gerade bis zu der Stelle auf dem Marktplatz, wo heutigen Tages die Säule mit der weiblichen Figur steht, die man ihr zu Ehren hier errichtet hat.

Seit Jahrhunderten befindet sich die geheimnisvolle, schlanke, goldglänzende kleine Figur mit wallendem Haar neben dem Steinernen Roland auf dem Zerbster Marktplatz und halten gemeinsam Wache. Sie ist für die Stadt Zerbst etwas ganz besonderes, da es eine solche Figur der „Butterjungfer“ nur einmal auf der ganzen Welt gibt. Wenn Sanierungsarbeiten am Markt durchgeführt werden müssen, wird immer eine Ersatzfigur hingestellt, das spricht für die mysteriöse Bindung der Zerbster zu ihrer "Butterjungfer", denn die Geschichte besagt, dass immer eine "Jungfer" auf dem Markt stehen muss.



Kalenderblatt vom 09.10.2012

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