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10.02.2012 - Karl May – ein „Freund“ vom „Alten Dessauer“

Karl MayFürst Leopold I., der „Alte Dessauer“, war schon zu Lebzeiten eine legendäre Persönlichkeit. Doch auch über seinen Tod hinaus beschäftigen sich nicht nur Historiker mit seinem Leben – auch Schriftsteller wie Karl May fanden Gefallen an der Gestalt Fürst Leopold. So wurde der „Alte Dessauer“ Inhalt zahlreicher Anekdoten und Humoresken.
So nutzte Karl May im Sommer 1876 die Feiern zum 200. Geburtstag des Fürsten, um in der herzoglichen Hofkammerbibliothek über das Leben des Fürsten zu recherchieren. Daraus entstanden unzählige tolle Erzählungen wie zum Beispiel: „Ein Stücklein vom Alten Dessauer“. Hieraus ein kleiner Auszug zum Schmunzeln:
„Der alte Kriegskamerad Schmidt bat den Fürsten um Hilfe für seinen Sohn Wilhelm, der von Amtmann Hiller rekrutiert werden sollte, um ihn von der schönen Annemarie zu entfernen. Hillers Sohn Eduard hatte nämlich ein Auge auf Wilhelms geliebte Annemarie geworfen und das war eben die beste Möglichkeit, den Konkurrenten los zu werden. Der Fürst hatte seinem Kriegskameraden Hilfe zugesichert, sollte ihm mal der Schuh drücken und so verkleidete sich Leopold als Handwerksbursche und zog nach Wahldorf auf das Amtsgut. „Er trug eine blauleinene Blouse, vielfach geflickte Hosen und eine alte, verschossene Soldatenmütze. Die Stiefel waren verschmutzt, und das Felleisen, welches er über den breiten Rücken geschnallt hatte, war so hochbetagt, dass es mehr Jahre zählte, als es Haare besaß.“ Dort erwischte ihn Hiller im Garten beim Pflaumenklau und verhaftete ihn als Pflaumendieb. Leopold I. soll in das als Gefängnis dienende Spritzenhaus eingesperrt werden, dreht aber den Spieß um und schloss stattdessen Hiller und den Polizisten Jörge dort ein. 
Bei einem erneuten Aufeinandertreffen am Abend im Wirtshaus ergibt sich Leopold zu erkennen und lässt den Amtmann wegen Misswirtschaft und Verstecken eines Deserteurs festnehmen.
Schmidts Sohn Wilhelm wurde neuer Amtmann und verlobte sich mit Annemarie.“

Die Geschichte ist in GW Band 84 abgedruckt und eine frühe Kurzfassung des späteren, umgestalteten und erweiterten „Pflaumendiebes“.
 



Kalenderblatt vom 10.02.2012

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