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12.12.2012 - Der Trommelnde Mönch

Eine Jeßnitzer Sage - mündlich überliefert von G. Hoffmann

Vor langer Zeit kam ein junger Mann ins „Kloster Salegast“ zu Jeßnitz. Seine Eltern zwangen ihn dazu, Mönch zu werden. Er selbst sehnte sich nach einem anderen Leben - außerhalb der strengen Ordnung und Disziplin im Kloster. Er liebte die Natur und unternahm viele Spaziergänge durch den Salegaster Forst. Er bewunderte die alten Bäume, die vielfältige Pflanzenwelt und die einsamen Wiesen des Auwaldes. Von seinen Spaziergängen kehrte er stets einsam zurück. Irgendwann konnte er den Druck des Klosters nicht mehr aushalten. Er entschloss sich in einer Nacht, das Kloster zu verlassen und zu flüchten. Er hatte von einem geheimnisvollen unterirdischen Gang gehört, der vom Kloster Salegast unter der Mulde bis nach Muldenstein führen sollte. Er nahm sich eine Fackel und etwas Verpflegung mit und machte sich in einer Vollmondnacht auf die Suche nach dem Eingang des geheimnisvollen Tunnels. Seine Freude war groß, als er ihn fand. Er schmiedete schon Pläne für sein neues Leben. Doch seltsamer Weise erfuhren die anderen Mönche von den Fluchtplänen des jungen Mönches. Sie suchten und fanden ihn am Eingang des unterirdischen Ganges. Als Strafe für seine Tat schickten die Mönche den jungen Mann durch den besagten Gang. Sie gaben ihm eine Fackel und eine Trommel, damit sie ihn hören konnten, wenn er, die Trommel schlagend, sich seinen Weg durch den unterirdischen Gang suchte. Dann lief er los und trommelte dabei. Alle Mönche am Eingang konnten hören, wie die Trommel immer leiser und leiser wurde, als der kleine Mönch sich seinen Weg suchte. Plötzlich verstummte die Trommel, und kein Laut war mehr zu hören. Alle Mönche am Eingang zündeten ihre Fackeln an und suchten den jungen Mönch in dem unterirdischen Gang. Sie suchten und suchten, doch fanden sie nur seine erloschene Fackel. In den Nächten mit starkem Vollmond sollen die Menschen in der Nähe des Klosters Salegast manchmal noch immer ein leises Trommeln hören können.
Und manche Leute erzählen es noch heute:
„Es ist der kleine Mönch mit seiner Trommel. Er irrt noch immer durch den geheimnisvollen unterirdischen Gang, vom Kloster Salegast zu Jeßnitz bis nach Muldenstein, umher!“

 



Kalenderblatt vom 12.12.2012

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