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13.05.2012 - Haferwurz und Ochsenhorn - Längst vergessene Pflanzen der fürstlich-anhaltischen Felder

Rapsfeld bei Kleutsch - Nutzpflanzen heuteSicherlich denkt man kaum daran, aber interessant ist es doch, zu wissen, womit die Bauern in den vergangenen Jahrhunderten ihre Felder bestellten? Gerade in Zeiten der Genmanipulation und Verwendung von Hybridpflanzen stellt sich die Frage, wovon sich die Fürsten und ihr Volk damals ernährten.

Gewisse Pflanzen bilden die grundlegende Basis unserer Existenz: sie liefern Nahrung, Fasern und Baumaterial. Über Jahrtausende entstand eine riesige Vielfalt an Getreide und Gemüse, welches auch auf anhaltischen Äckern angebaut wurde. Heute sind die meisten historischen Nutzpflanzen jedoch aus unseren Köpfen verschwunden. Schuld daran, sind die aufgrund großer Nachfrage entstanden neuen Züchtungen von Hochleistungssorten.

Einige der einst so beliebten und häufig angebauten Sorten sollen hier einmal kurz vorgestellt werden, um sie doch wieder in Erinnerung zu rufen.
So etwa der Johannisroggen, auch Waldstaudenkorn genannt. Sein Name leitet sich von seinem Saattermin ab. Als Wintergetreide wurde er im Juni um den Johannistag ausgesät. Dieses Urgetreide wuchs selbst auf kargem Sandboden und bildete mit seiner Höhe von bis zu 2 Metern imposante Felder. Allerdings waren seine Körner viel kleiner und daher der Ertrag nur halb so groß wie heute.
Der Haferwurz, auch Weißwurzel oder Austernpflanze genannt, ist heute nur noch in Großbritannien als Gemüse verbreitet, obwohl er mit der Schwarzwurzel verwandt ist, die man auf unseren Tellern findet. Die 15-30 cm langen Wurzeln wurden bereits von den Griechen und Römern kultiviert und tauchten in vielen Kräuterbüchern der Renaissance auf. Haferwurz wird wie Spargel oder Schwarzwurzel zubereitet. Seine jungen Blätter und Stengel sind auch als Rohkost eine Delikatesse.
Ebenso beliebt, aber heute nahezu unbekannt war die Anhaltische Palme, eine Grünkohlsorte, die bis 1,80 Meter hoch werden konnte.
Das Ulmer Ochsenhorn dagegen findet in letzter Zeit wieder Liebhaber, die sich an dessen Geschmack erfreuen. Diese Art der Herbstrübe hat eine ochsenhorngebogene Form und ist weiß-violett. Ochsenhorn wird gern in Cremesüppchen und als Beilage verwendet.
Wussten Sie, dass der Preußenkönig Friedrich der Große die Kartoffel bei uns einführte? Daraufhin ließ der regierende Fürst Friedrich Albrecht von Anhalt–Bernburg, der von jeher eine Vorliebe für die Landwirtschaft hatte, auf seinen Gütern Versuchsflächen schaffen, um die schmackhafte und robuste Knolle in Anhalt einzubürgern. Allerdings warnte auch er bereits vor deren unreifen Genuss.

Geheimtipp:

„Von Haferwurz bis Ochsenhorn – Anhalts alte Gartenschätze“
Historische Nutzpflanzen aus Anhalt
01.05. – 30.09.2012, Sa-So, 13.00-16.00 Uhr
Freigelände der Komturei Buro bei Coswig (Anhalt), Link: www.komturei-buro.de

Foto: Detlef Hecht, Quelle: www.dessau.de

 



Kalenderblatt vom 13.05.2012

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