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14.05.2012 - Baden in Dessau – von der Flussbadekultur zum Naherholungszentrum

Die Elbterassen in BrambachIn heißen Sommermonaten war den Menschen schon immer nach einer Abkühlung im frischen Nass zumute. In Dessau und Umgebung tummelten sich daher seit Jahrhunderten zahlreiche Badelustige an und in den Flüssen Elbe und Mulde, woraus sich Ende des 18. Jahrhunderts eine richtige Flussbadekultur entwickelte.
Um dem wilden Baden ein Ende zu setzen, steckte man festgelegte Badestellen mit Stangen ab. Das Baden außerhalb dieser Stellen wurde mit drei Tagen Haft oder einer Geldstrafe geahndet. Außerdem war das öffentliche Baden damals eher eine „Männersache“, Frauen hatten sich nicht so freizügig zu zeigen, bis ihnen extra Badestellen mit Leinwandbahnen zugeteilt wurden. Für Frauen und Männer, die sich ungern halbentkleidet in der Öffentlichkeit zeigen wollten, wurden auf den Flüssen Badehäuser errichtet. Zum Preis von 3 Groschen konnte man zum Beispiel im Muldebadehaus in abgetrennten Badekästen eine dreiviertel Stunde lang das Nass genießen. Per Klingelzug bestellte man die angestellte Badefrau, die einem dann den Körper mit einem Schwamm abrieb. Natürlich gab es auch für diese Art des Badens Regeln. Personen mit Hautkrankheiten hatten dieser Anstalt fern zu bleiben. Des Weiteren sollte man mit dem Rücken gegen den Strom sitzen und musste nur aus Rinderblasen angefertigte Badehauben tragen.
Als bester Badeplatz wurde 1855 der Platz am „großen Parnekel“ im Tiergarten ausgepriesen. Ebenso beliebt, gerade bei Kindern „anständiger Eltern“, war der Platz an der Scheplake,. Für die ärmeren Dessauer gab es Plätze am „kleinen Parnekel“ und dem „Schinderhäuschen“.
Mit dem 20. Jahrhundert entstanden die ersten Schwimmvereine, wie „Neptun“, „Nixe“ oder „Vorwärts“. Familienbäder wurden geschaffen und die Nacktbadekultur fand seine Anhänger, wenn auch mit viel Skepsis begleitet. Gegenüber dem Kornhaus befand sich die offizielle Elbebadeanstalt Dessaus, aber auch die Sandstrände der Elbe waren immer noch reich besucht.
Im Juli 1939 eröffnete das Reichsautobahn – Seebad „Mildensee“. Während des Krieges richtete man dann dort eine Auslagerungstätte der Junkerswerke ein. Nach dem Krieg entwickelte sich die „Adria“, wie das Bad heute heißt, zu einem gut besuchten Naherholungszentrum.
Heutzutage ist das Baden in Flüssen zu einer Seltenheit geworden, sei es wegen der Verschmutzung oder der Gefahr durch Strömung und Schiffsverkehr.

Foto: WalterFlohr, Quelle: www.dessau.de

 



Kalenderblatt vom 14.05.2012

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