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14.10.2012 - Die Flakkaserne in Dessau-Kochstedt

Die ehemalige Flakkaserne in KochstedtNachdem Hugo Junkers im Jahr 1933 durch die Nationalsozialisten seine Werke verloren hatte, wurde der Junkerskonzern in Dessau der Hauptsitz der wichtigsten Luftrüstungszentren. Um die Sicherheit des aktiven Luftschutzes zu gewährleisten, wurde in den Jahren 1934-1937 die Flakkaserne in Kochstedt erbaut. Die von einfacher Bauweise, in U-Form erbauten Unterkunftsgebäude wurden so in den Kiefernbestand eingeschlossen, dass sie von Feinden aus der Luft kaum zu erkennen waren. Die Bevölkerungszahl von Kochstedt wuchs mit dem Bau der Kaserne, da nach 1937 für die Soldaten, Zivilangestellten und Familienangehörigen Häuser erbaut wurden. Erstaunliches bot sich dem Auge, wenn man das Grundstück der Flakkaserne betrachtete. Die Kaserne besaß ein eigenes Fernheiz- und Kraftwerk sowie ein Wasserwerk. Die Geschütze und Kraftfahrzeuge der Flakartillerie befanden sich in einer großen Halle. Das gut abgesicherte Munitionslager befand sich südöstlich von Kochstedt und war umgeben von Zäunen und Stacheldraht. Mitten im Wald entstanden in kurzer Zeit neun Bunker und ein Wachlokal, in welchen man die Munitionen und Granaten für den geplanten Krieg lagerte. Die Bunker in Kochstedt waren selbst beim Einzug der US-Truppen am 16. April 1945 noch gefüllt. Bereits 1936 wurde außerhalb des Kasernenkomplexes ein Klärwerk erbaut. Es befand sich im sogenannten Hirtenhauwald zwischen Kochstedt und Alten, wurde jedoch später wieder abgerissen. Am „Roten Hausbusch“ befand sich der im Jahre 1937/38 neu erbaute Schießstand, der vor und während des Krieges häufig von den Soldaten und nach dem Krieg von den in Kochstedt stationierten Sowjetsoldaten genutzt wurde. Heute wird der Schießstand vom Schützenverein genutzt, welcher nach dem Umbau des Kasernengeländes zum Wohngebiet entstand. Die Gaststätte „Der Grüne Baum“ und viele Bewohner profitierten von der Flakkaserne, denn für die Soldaten war vor und während des Krieges die Gaststätte der wohl beliebteste Anziehungspunkt. Mit den Jahren wurde die Anzahl der Soldaten in der Kaserne immer geringer. Die noch übrig gebliebenen Soldaten in Kochstedt sollten Dessau „unsichtbar“ machen, in dem sie am Hirtenhauwald und an der Hohen Straße in Richtung des Flüsschen „Taube“ Nebelfässer aufstellten, um bei Luftangriffen durch die dicke Nebelwand nicht gesehen zu werden. Durch den Einmarsch amerikanischer Truppen in Kochstedt und langen Kämpfen wurden hunderte deutsche Soldaten gefangen genommen und in den großen Garagen der Kaserne eingesperrt. Am 1. Juni 1945 wurde die Kaserne von der Roten Armee übernommen, welche aber 1948 die Anlagen wieder verließ. Die Forstwirtschaft übernahm einen Teil des Geländes, welches sich aber die im Kasernengelände stationierten Volkspolizei-Bereitschaften aneigneten. Mit den Jahren verfiel die Kaserne immer mehr und wurde durch mehrfache Brände und Vandalismus stark beschädigt, sodass mehrere Komplexe abgerissen wurden. Die Stadt Dessau beantragte 1993 den Kauf des Geländes, um es zu dem heutigen schönen Wohngebiet umzubauen. Die Grundsteinlegung für das 1. Einfamilienhaus erfolgte im Juni 1997.



Kalenderblatt vom 14.10.2012

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