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14.12.2012 - Die Sage vom Schloß Waldeser

Des Grafen Waldersee liebliche Tochter feiert fröhliche Hochzeit mit dem herrlichen Ritter Udo von Wildeberg. Unter den geladenen Gästen sind der Ritter von Wallwitz, von Reina, von Hottenberg und Sieglitz von Leuner. Nach dem Turniere sitzen die Herren und Frauen beim mahle. Heller Jubel ertönt in den weiten Räumen des Schlosses. Da stößt der Turmwart ins Horn und meldet den Feind vor dem Tore. Augenblicklich greifen die Ritter zu Schwert und Rüstung und eilen hinaus. Der wilde Graf Kühnau naht in feindlicher Absicht und will durch einen Überfall die Burg erstürmen. Schon ist er mit seiner Schar in den Burghof eingedrungen. Denn die Knechte waren mehr bedacht gewesen, die Hochzeit ihrer Herrin zu feiern, als für die Sicherheit zu wachen. Mit Ungestüm stürzen sich die ritterlichen Gäste auf die Feinde, und es gelingt, diese aus der Burg zu vertreiben. Graf Kühnau flüchtet mit den Seinen in den Wald. Ihm nach stürzen Udo und die Kampfgenossen. Viele von den Raubgesellen werden eingeholt und erschlagen. Bei der Verfolgung aber haben sich die tapferen Recken in den Wald verloren, und erst bei Tagesgrauen kehren sie zurück. Ihr frohes Siegesgefühl soll sich bald in herben Schmerz verkehren. Als sie sich der Burg Waldersee nähern, erkennen sie mit Schrecken, dass diese in Flammen steht. Graf Kühnau, der sich im Dickicht versteckt gehalten, war mit wenigen Spießgesellen in die von Mannen entblößte Burg eingedrungen, hatte sie in Brand gesteckt und den greisen Waldersee und dessen blühende Tochter niedergestochen. So finden die Zurückkehrenden nichts als Trümmer und Leichen. Zwar gelingt es dem Ritter Wildeberg, die Frevler zu erreichen, sie zu fangen und im Walde aufknüpfen zu lassen; aber sein teures Weib und ihr Vater sind dahin. Die Tiefbetrauerte nahte sich dem verlassenen Gatten oft als Lichtgestalt und vertröstete ihn auf die Stunde, da er mit ihr ewig vereint sein würde. Auch den Bewohnern der Umgebung erschien sie noch lange als die irrende Jungfrau von Waldersee.

Quelle: „Dessauer Sagen“ – gesammelt und mitgeteilt von Gisela Völker
 



Kalenderblatt vom 14.12.2012

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