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15.02.2012 - Der Nickert und der Saaltanz

Saale in BernburgSchon früher machten die Menschen für unerklärbare Erscheinungen Geister oder Fabelwesen verantwortlich. So rankten sich besonders um Berge, Höhlen und Wälder mystische Geschichten. Aber auch Flüsse und Seen bekamen ein Wesen an die Seite gestellt. So trug es sich zu, dass auch die Saale bei Bernburg einen Flussgott mit altnordischer Herkunft und Namen „Nickert“ besaß.
Dieser lebte, laut Überlieferungen, in unergründlicher Tiefe unter einem Gehölz, welches heute „Prinzenwerder“ genannt wird.
Ein gutmütiges Wesen, dessen Erscheinung eher einer Tonne mit riesigen blauen Augen glich. Dennoch trieb er gern seinen Schabernack und trieb mit den Fahrensleuten ein Spielchen. Ging jedoch jemand über Bord, so half er ihm und versuchte ihn zu retten.
Ihm zu Ehren, wird seither in Großwirschleben vom jungen Volk ein Tanz veranstaltet, der Saaltanz.
Der erste Mittwoch nach Pfingsten, der so genannte Knoblauchsmittwoch, war der Tag an dem alle öffentlichen Brunnen gereinigt wurden. War diese schmutzige Arbeit getan, so zog man an die Saale und wusch sich selber. In alter Manier des Flussgottes Nickert trieb man hier Streiche und bespritzte sich nicht nur selbst, sondern auch die Zuschauer. Nach vollbrachter Reinigung zogen sich alle trocken und sauber an und zogen zum Gemeindeplatz, wo bei Dorfmusik bis zum Sonnenuntergang getanzt wurde.
Zu damaliger Zeit wurde während des Waschens folgender Vers von den Mädchen gesungen: 

Herr Nickert, Herr Nickert, da sind wir nun hier
und tanzen im Wasser ein Tänzchen vor dir.
Du bist in der Mitte, so tanze voran,
es folgt dir gerne, wer Lust hat und kann

War das Waschen beendet, folgte der zweite Vers:

Herr Nickert, Herr Nickert, für diesmal gemacht
ist nun unser Tänzchen, im Saalstrom vollbracht.
Wenn Knoblauchsmittwoche wieder erscheint
dann tanzen wir wieder in Eintracht vereint.

Heute erfolgt das Wäschewaschen leider ohne Gesang. Dennoch eine Tradition, an die wir gerne erinnern wollen.



Kalenderblatt vom 15.02.2012

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