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16.11.2012 - Daniel Grube - Es geht bei gedämpftem Trommelklang...

Die Geschichte hat sich im Jahre 1832 ereignet. Ein Kriegsgericht trat zusammen. Nach dem Heeresrecht verurteilte es einen Soldaten der Dessauer Garnison wegen Meuterei zu Tode durch Erschießen. Was war geschehen?
Daniel Grube war ein Dessauer Kind und bis zu seinem 8. Lebensjahr ziemlich wild aufgewachsen. Die Schule hatte er nie besucht. Es war ja Kriegszeit. Erst waren die Franzosen da, dann kamen die Preußen, Russen und Schweden. Da hatten die Jungs wirklich keine Zeit für die Schule übrig. Die Russen hatten die deutschen Kinder so gern und ließen sie auf ihren Pferden reiten und schnitzten ihnen Flitzebogen. Als die Russen im Jahre 1813 abzogen, war auch Daniel Grube mit fort. War er, abenteuerlustig wie er war, freiwillig mitgegangen oder hatte ihn der Offizier gewaltsam fortgeführt? 13 Jahre flossen ins Land. Mit einem Male war Grube (aus Russland) wieder da und tat seine Pflicht für das Vaterland, indem er sich zum Militärdienste stellte. In Kriegszeiten pflegten solche Naturen die besten Soldaten zu werden. Aber Herzog Leopold Friedrich konnte Grube zum Gefallen keinen Krieg anfangen. Der Gamaschendienst behagte dem rebellischen Geiste gar nicht. So geriet Grube beim Exerzieren mit seinem Unteroffizier hart aneinander und schlug das Gewehr auf ihn an. Das war Meuterei und auf Meuterei stand der Tod durch standrechtliches Erschießen. Ordnungsgemäß hätte Grube nun bei gedämpftem Trommelklang nach den Kreuzbergen geführt und dort vor die neun Gewehrläufe gestellt werden müssen. Aber Herzog Leopold Friedrich hielt es für ausreichend, wenn der Meuterer auf Lebenszeit im Zerbster Zuchthaus Strafarbeit leisten musste. Nach zehn Jahren begnadigte er ihn ganz. Als Grube aus dem Zuchthaus entlassen wurde, fand er die Welt verändert. Von Berlin bis Köthen rollte die Eisenbahn. Diese neue Sache musste er gründlich kennenlernen. Er nahm bei der Berlin-Anhaltischen Bahn den Dienst als Bahnwärter an und hielt es fünf Jahre an der Strecke aus. Dann war sein Wissensdurst befriedigt und er quittierte den Dienst. Nun ging es mit ihm unaufhaltsam bergab. Er hatte sich dem Trunke ergeben und „ging in die Fabrik“. Aber das Eingeschlossensein ertrug er nicht, es erinnerte ihn zu sehr an das Zuchthaus. Er bekam Streit, wurde entlassen und sagte seinem Arbeitgeber, dem Tuchfabrikanten Meinert, so handgreiflich seine Meinung, dass er noch einmal zwei Monate Arbeitshaus auf sich nehmen musste. Das war im Jahre 1853. Damit verliert sich seine Spur.
Ein gutes Ende wird es kaum genommen haben…
 



Kalenderblatt vom 16.11.2012

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