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18.10.2012 - Das Fleischerhandwerk in Dessau und der Schlachthof in Dessau-Nord

Dessau, Eingangsbereich des Städtischen Schlachthofs, 1930er Jahre (nach 1933), Fotograf: unbekanntDer älteste bekannteste Handwerksverband der Stadt Dessau ist die Fleischerinnung oder, wie man früher sagte, die „Knochenhauerinnung“. Diese Innung existierte bereits zu Zeit von Fürst Albrecht II., im Jahre 1362. Die Aufgaben eines Knochenhauers bestanden darin, Tiere zu schlachten, zu zerteilen und das Fleisch zu verkaufen. Der Hausschlachter fertigte dann die Wurst und die Räucherwaren. Im 19. Jahrhundert durften die „Speckschlachter“ Wurst und Räucherware verkaufen, aber wiederum kein Frischfleisch. Für jede Ratsstadt gab es vier Fleischer und für die Muldevorstadt einen Fleischer, sowie einen Koch und einen Schlächter. Der Fürst gestattete einfachen Freimeistern oder Freischlachtern die Ausübung des Handwerks zeitbegrenzt und ohne Ausbildung von Lehrlingen. Die Dessauer Fleischer mussten die Stadt mit Frischfleisch versorgen, wobei es Probleme bei Rindfleisch und Schafsfleisch gab. Daher war es ab dem 17. Jahrhundert erlaubt, Hammelherden zu halten. Aber auch hier gab es Bestimmungen, so durften es zum Beispiel nicht mehr als 250 Tiere sein, die Schafzucht war verboten und der Verkauf an fremde Fleischer war untersagt. Die Innung kümmerte sich um Hirten und um eine Brandschutzabsicherung. Zuerst erfolgte der Straßen-Fleisch-Verkauf in Scharren. Dies waren kleine einfache Verkaufsstände aus Holz, welche bezahlt werden mussten. Bei einem Brand in der Schloßstraße im Oktober 1787 wurden sie völlig zerstört. Die ersten kleinen Fleischerläden eröffneten und das erste Innungshaus der Fleischer entstand 1764 unter den “Freihäusern“. Zwischen den Dessauer Fleischern und den jüdischen Fleischern war ein ständiger Streit um den Verkaufspreis vom Fleisch. Die Städte wuchsen und die Ansprüche wuchsen. In den nächsten Jahrhunderten entstanden in Dessau drei große Fleischunternehmen. Einer von diesen war der Schlachthof in Dessau Nord, dessen Bau am 1. September 1891 in der Gemeinderatssitzung beschlossen wurde. Nach 14-monatiger Bauzeit, mit Kanalisation und Wasserleitungsbau, wurde der Schlachthof am 28. Dezember 1892 eröffnet. Etliche Umbaumaßnahmen und Modernisierungsarbeiten folgten, 1946 wurde das Kesselhaus neu gebaut und 1962 am Gebäude der Häuteverwertung das Richtfest gefeiert. Der Schlachthof war im VEB Kombinat Fleischwirtschaft eingegliedert und trug den Namen "VEB Schlachte- und Verarbeitungsbetrieb Dessau". Nach der Wende wechselte das Werk in den Besitz von Karl Siebert. Im Jahr 1993 öffnete das moderne „Fleischzentrum Anhalt“. Heute befindet sich dort der Standort der „Andes Wurst und Fleisch GmbH“. Das ehemalige  Verwaltungsgebäude wurde saniert und es entstanden Gewerbe- und Büroräume, wie der „Women i.Point“, ein Bio-Laden und vieles mehr. Fährt man auf das ehemalige Schlachthofgelände, erinnert das sanierte Pförtnerhäuschen an den ältesten Handwerkverband Dessaus.



Kalenderblatt vom 18.10.2012

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