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20.04.2012 - Vom Kloster zum Gymnasium – das Francisceum in Zerbst

Bibliothek im FrancisceumDer Ursprung der heutigen Schule am Weinberg 1 liegt in einem Franziskanerkloster, welches im Zeitraum um 1225 bis 1245 in Zerbst erbaut wurde. Gegründet hatte es einst der Bettlerorden um Franz von Assisi und weihte es dem Heiligen Johannes. Ab 1300 begann man mit der Erhöhung und Erweiterung der Kirche. Der Giebel der alten Backsteinkirche ist heute noch am westlichen Giebel der Kirche deutlich sichtbar. Im September 1526 wurde das Kloster im Laufe der Reformation besetzt und die Mönche verließen nach und nach das Franziskanerkloster, der letzte im Jahre 1534. Etwa zeitgleich nahm die alte Nicolaischule (1526 gegründet), eine Lateinschule, in den alten Mauern Einzug. Sie erhielt den Namen „Johannisschule“ und hatte als Ziel die lateinische Sprache in Wort und Schrift zu lehren. Das Verwenden der deutschen Sprache war strengstens verboten. 1582 entstand aus der Lateinschule das Gymnasium Illustre, eine Landesuniversität, gegründet von Fürst Joachim Ernst von Anhalt. An dieser Universität lehrte man Theologie, Jura, Medizin und Philosophie. Zur Erlangung eines akademischen Grades setzten die Schüler ihr Studium danach an einer Volluniversität fort. 1584/85 erfolgte westlich der Kirche ein Anbau im Renaissancestil mit achteckigem Treppenturm. Seit seiner Gründung verfügte das Gymnasium auch über eine eigene Buchdruckerei. 1797 wurde Zerbst Bestandteil des Fürstentums Anhalt-Dessau, und Fürst Leopold III. Friedrich Franz reformierte die Johannisschule nach dem Vorbild des von ihm gegründeten Philanthropinums. Nach einem 5-jährigen Umbau konnte 1803 die neue „Stadtschule“ (Hauptschule) eingeweiht werden und wurde „Vater Franz“ zu Ehren in „Francisceum“ umbenannt. Im Jahre 1813 erfolgte eine vorübergehende Räumung des Gebäudes, da es als russisches Lazarett verwendet wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts schaffte man die Elementarklassen (1.-4.Klasse) ab, wenige Jahre später eröffnete das Francisceum eine eigene Vorschule, die bis 1922 bestand. Im selben Jahr wurde die Schule ein Reformrealgymnasium, 1923 nahm man mit Ida Möhring das erste Mädchen an der Institution auf. Gegen Ende der 1940er Jahre vereinigte sich die Höhere Töchterschule von der Schlossfreiheit mit dem Francisceum, nach 1945 wurde es eine Oberschule, ab 1959 eine Erweiterte Oberschule und seit 1991 wieder das Francisceum, welches bis heute existiert. Im Klostergebäude unterrichtet man die Klassen 9 bis 12, die Klassen 5 bis 8 lernen in dem Gebäude der 1889 erbauten ehemaligen Volksschule am Rebhuhns Garten. Alljährlich finden im April, dem Gründungsmonat der Schule, Festtage auf dem Klostergelände statt. Dabei ist auch die Aula zugänglich, in der Bildnisse sämtlicher Rektoren der Schule sowie zwölf Bildnisse von Anhalts Fürsten und Herzögen hängen. Im Erdgeschoss und den überbauten Kreuzgängen befindet sich heute das Zerbster Museum, welches somit auch nur über das Kloster bzw. Schulgelände erreichbar ist.
 



Kalenderblatt vom 20.04.2012

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