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20.12.2012 - Ein Spaziergang über den Dessauer Neumarkt in der Vorkriegszeit

Alte Postkarte mit Abbildung des Neumarktes im Jahre 1935 (Quelle: www.dessau-rosslau.de, Autor: Eddi)Mit dem Eintritt von der Friedrichstraße in die Kavalierstraße kommen wir ins ältere Dessau und betreten historischen Boden insofern, als hier Fürst Leopold, der „alte Dessauer“, seine Fürsorge für die Vergrößerung Dessaus mit besonderem Eifer walten ließ.
So war der heutige Neumarkt, der Schmuckplatz „Unter den Linden“, vom Fürsten Leopold ursprünglich zum Marktplatz einer „Neustadt“ bestimmt, die Anfang des 18. Jahrhunderts außerhalb des damaligen Stadtmauer sich dort entwickelte, und deren Verbindung mit der Altstadt der Fürst um 1784 mittelst Durchbruchs der heutigen Poststraße – damals „Neue Kirchgasse“ – von der Zerbsterstraße her bewirkte. Herzog Franz, dessen Standbild in den Anlagen am Neumarkt steht, hat dem Platze seine heutige Gestalt gegeben.
Die Johanniskirche – unter dem Fürsten Leopold als „Neustädter Kirche“ benannt – ward Ende des 17. Jahrhunderts von der damaligen Lutherischen Gemeinde erbaut; sie hat eine wechselvolle Geschichte mit mancherlei baulichen Veränderungen hinter sich, u.a. ist dem ursprünglichen Turm das obere Stockwerk nebst Helm erst 1834 unter Herzog Leopold Friedrich aufgesetzt worden.
Die Ostseite des heutigen Neumarktes gehörte bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zum „Stadtgraben“, einem verwilderten Platz, den bereits Fürst Johann Georg II. durch Anlage von Gärten nutzbar zu machen suchte. In einem der ersten dieser Gärten ist das Haus entstanden, das im Jahre 1809 von der Herzogin Luise, Gemahlin Herzogs Franz, zur Gründung des heute noch bestehenden Luiseninstituts erworben wurde.
Am Neumarkt gegenüber dem Postgebäude, an der Stelle des jetzigen Petrs’schen Eckhauses, befand sich auch der Witwensitz Sophie Herre’s Tochter des Kaufmanns Christian Herre in Dessau, die mit dem ältesten Sohne des Fürsten Leopold, Erbprinzen Wilhelm Gustav, heimlich vermählt war.   

Quelle: Alt-Dessau in Wort und Bild, Eine Festgabe zum Anhaltischen Heimatfest des Gemeinnützigen Vereins zu Dessau, Herausgegeben von Max Müller



Kalenderblatt vom 20.12.2012

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