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22.04.2012 - Die Schätze auf der Heinrichsburg

Dicht beim Hüttenort Mägdesprung, hart an der Landstraße nach Gernrode, liegt auf einsamer Höhe, unter Bäumen versteckt, das Getrümmer der alten Heinrichsburg, von der noch ein verwitterter, halb eingestürzter Turm den Stürmen der Zeit trotzt. Diese Ritterfeste war zu Zeiten ein gefährliches Raubnest; ihre Insassen machten hauptsächlich die schon seit Uralter Zeit in dieser Gegend durch das Harzgebirge führende Verkehrstraße unsicher. Es soll ein Klingelzug an der Brücke im Tale, wo diese Straße die Selke überschritt, angebracht gewesen sein, der selbsttätig auf der Burg ein Zeichen gab, wenn beladene Wagen über die Brücke fuhren und somit gute Beute zu machen war. Ende des 13. Jahrhunderts war die Burg im Besitze eines nach ihr benannten ritterlichen Geschlechts, 1307 belieh Fürst Otto II. von Anhalt die Grafen von Stolberg mit ihr, und um 1344 wurde sie als Raubnest von den Grafen von Hohnstein in Verbindung mit mehreren Städten zerstört. Nachdem sie bald wieder aufgebaut wurde, haben sie die Grafen von Stolberg bis 1567 von neuem in Besitz, worauf sie durch Verpfändung an das Haus Anhalt zurückfiel. Über ihr späteres Schicksal weiß man nichts.
In den Räumen der Heinrichsburg sollen aus den Raubritterzeiten her noch große schätze verborgen liegen. Geldgierige Leute haben oft, aber immer vergeblich, die Trümmer danach durchsucht, besonders den Turm; was man ausgrub, war aber nichts anderes als Schutt, Erde und Gestein und dazu eine grauenhafte Merkwürdigkeit: ein ungeheuer großes Menschengerippe, das in einem in die Felsen eingehauenen Gewölbe verborgen lag.

Quelle: Anhalter Sagenbuch, Richard und Hermann Siebert, 1999, Dessau
 



Kalenderblatt vom 22.04.2012

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