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22.11.2012 - Dessauer Sagen - "Der Nixensumpf bei Großkühnau"

Kühnauer See im morgendlichen Nebel, Autor: Frank Thümmel, Quelle: www.dessau-rosslau.deEin Schäfer hatte schon viel von Nixen gehört und wünschte, ihnen zu begegnen. Eines Tages lagerte er im Schatten eines Baumes am Nixensumpf, als sich das Wasser bewegte und ihm ein Nixenmännchen entstieg.
Schnell ergriff der Schäfer seinen Stecken und schlug im Übermute nach dem Nix, verlachte und verspottete ihn, bis der Nix mit einer Verwünschung wieder in dem tiefen Wasser verschwand. Damit hatte der Schäfer den Zorn des ganzen Nixenvolkes herausgefordert. Sobald er einen Schluck Wasser trank, empfand er Übelkeit und Schmerzen, und auf allen seinen Wegen erschienen ihm die Zürnenden als seine Verfolger. Der Schäfer verließ endlich Kühnau und nahm Dienst in einem entfernten Dorfe. Jahrelang geschah ihm nichts. Er meinte schon, alles sei vergessen, und dachte kaum noch an die Nixen. Da wanderte er eines Sonntags nach Kühnau. Bei der Rückkehr begleitete ihn einer seiner Verwandten ein Stück. Bald mussten beide vor einem heftigen Gewitter im Walde Schutz suchen. Als das Unwetter vorüber war, empfand der Schäfer einen brennenden Durst. Vergeblich sahen sie sich nach einem Quell oder einem Bach um. Da erblickte der lechzende Schäfer in einem Loche, welches von dem Hufe eines Pferdes in die Erde gedrückt war, klares Wasser. Sofort warf er sich nieder. Kaum hatte er das Wasser berührt, die heißen Lippen zu kühlen, als sich ein furchtbares Getöse erhob. Er fühlte sich von starker Hand festgehalten und vermochte nicht, den Kopf emporzuheben. Sein Gefährte erschrak und eilte zum Dorfe, um mit vielen Leuten den grausen Ort wieder aufzusuchen. Man fand den Schäfer tot am Boden liegen. Keine Spur von Gewalttat war an ihm zu bemerken. Die kleine Pfütze stand ruhig wie ein klarer Spiegel.

Quelle: „Dessauer Sagen“, gesammelt und mitgeteilt von Gisela Völker
 



Kalenderblatt vom 22.11.2012

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