HomeStartseiteKalenderblätter

23.04.2012 - Die Siebenbrünnen

Schlägt man den vom Köthener Stadtparke aus nach Süden führenden Weg ein, so kommt man zu den seit etwa 70 Jahren versiegten Siebenbrünnen. Mit ihnen stehen die folgenden Sagen in Verbindung:

Vor dem Einfall der Wenden in die hiesige Gegend hatten die Einwohner Köthens ihr Geld und ihre Kostbarkeiten in der Nähe der Siebenbrünnen an einem Orte verborgen, wo sich jetzt ein niedriger Hügel, der deshalb der Goldberg genannt wird, erhebt. Als die feindlichen Scharen wieder abgezogen waren, konnten die Bürgersleute das Versteck nicht wieder auffinden, und so ruht der Schatz auch heute noch darin; der Teufel hütet ihn und gibt ihn nicht wieder heraus. Alle sieben Jahre brennt das Geld und lauter blaue Flämmchen steigen dann aus der Erde. Die Hebung des Schatzes kann nur erfolgen, wenn ein frommer Jüngling oder eine fromme Jungfrau um Mitternacht, zur Zeit, wenn das Zeichen des Schützen am Himmel steht, kommt und einen schwarzen Bock, einen schwarzen Hund und ein schwarzes Schaf mitbringt. Aber auch nicht ein einziges Härchen darf an diesen Tieren sein! Macht dann der Schatzgräber, ohne ein Wort zu sprechen, dreimal das Zeichen des Kreuzes und berührt mit einem schwarzen Stabe den Berg dreimal, dann wird dieser sich mit lautem Krachen auftun, der Teufel wird unter Wutgebrüll entfliehen und Geld und Kostbarkeiten werden dem mutigen Jünglinge oder der kühnen Jungfrau zu teil werden. Mancher hat es versucht, den Schatz zu gewinnen. Vielen von ihnen aber hat der Teufel dabei das Genick gebrochen; sie treiben nun alle nächtlicher Weile ihren Spuck daselbst. Drum wird man an den Siebenbrünnen leicht irre geführt, wenn man nachts dort geht.
Vor langer Zeit wollte ein Ritter sich mit Gewalt in den besitz des vergrabenen Schatzes setzen. Er bot seine Leibeigenen auf, führte sie, hoch zu Rosse sitzend, an den Ort, wo das Geld liegt und zwang sie unter Drohungen und Schlägen, dort nachzugraben. Da erschien plötzlich der Teufel, packte den Ritter, riß ihm den Kopf vom Rumpfe und das erschreckte Pferd rannte mit dem Ritter ohne Kopf davon. Nun erscheint Nacht für Nacht um die zwölfte Stunde der gespenstische Reiter auf seinem Schimmel, macht die Runde um die Siebenbrünnen und verschwindet wieder mit Blitzeschnelle.  
Als einst die Pest in Köthen wütete – es war gerade um die zeit des Osterfestes – da tranken mehrere Leute von dem Siebenbrünnenwasser und empfanden eine heilbringende Wirkung. Bald wurde dies bekannt, viele Kranke genossen nun von dem Wasser und erlangten dadurch ihre Gesundheit wieder. Besonders das in der Osternacht geschöpfte Wasser soll sehr heilsam gewesen sein. Man durfte aber, wenn man das Wasser holte, kein Wort sprechen, sonst verlor es die Heilkraft.

Quelle: Anhalter Sagenbuch, Richard und Hermann Siebert, 1999, Dessau
 



Kalenderblatt vom 23.04.2012

Alle bisherigen Kalenderblätter anzeigen