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24.09.2012 - Der Spitzberg und das Backhaus in Streetz

Unweit von Roßlau liegt der kleine Ort Streetz, der im Januar 1363 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Name stammt aus dem slawischen und bedeutet „der Ort, an dem es Pflanzenkräuter gibt“.
Der Spitzberg ist der höchste Punkt der Streetzer Berge und die höchste natürliche Erhebung des Stadtgebietes Dessau-Roßlaus mit 111 m. Im Jahre 1710 wurde an der Südseite des Spitzberges Wein angebaut und die Arbeit wurde von Amtsuntertanen ausgeführt. Die Wertlauer, Jütrichauer und die Roßlauer Einwohner mussten für drei Pfennige am Tag, bei freier Kost, den Wein lesen. Wegen des schlechten Klimas und der geringen Ernte wurde 1798 der Weinanbau jedoch aufgegeben. Nach dem Umbau des Anwesens zum Schlösschen, diente es ab 1800 den Anhaltischen Fürsten als Aufenthaltsort während der Jagden. Gepflegte Gartenanlagen mit Obstplantagen waren das Merkmal des Schlösschens. 1896 musste das herrschaftliche Küchengebäude jedoch abgerissen werden. Am Fuße des Spitzberges befanden sich die Reitställe und eine Försterei. 1806 lagerten die Franzosen und im Jahr 1813 dann die Kosaken in den umliegenden Wäldern. Die Roßlauer Bürgergarde und die Anhaltischen Soldaten waren ab 1748 hier einquartiert, um den Holzdiebstahl durch die Bevölkerung zu verhindern. In den Jahren danach diente der Spitzberg als Ausflugslokal und Jugendherberge der sozialistischen Arbeiterjugend und nach dem Zweiten Weltkrieg der Mittelschule von Zerbst als Schullandheim. Heute ist es ein Kinderferienlager und wird als Feuerwachturm genutzt.
Seit dem 1. Januar 2001 wurde das Dorf Streetz der benachbarten Stadt Roßlau angegliedert und die Kirchengemeinde Streetz gehört seit 1. September 2005 zur Kirchengemeinde St. Marien Roßlau.
Im 12. Jahrhundert entstand die gut erhaltene Feldsteinkirche. Das rechteckige Schiff mit Chor und Aspis sowie die Korbbogenfenster stammen aus dem Barock und eine Wetterfahne wurde nach 1805 errichtet. Die Kirche von Streetz erhielt im Jahr 2000 ein neues Dach mit Dachreitern aus Schiefer. Regelmäßig finden Veranstaltungen in der Dorfkirche statt. In diesem Jahr feiert Streetz das 13. Backfest, welches vom „Backhausverein Streetz“ und dem Verein „Streetzer Landfrauen“ organisiert und veranstaltet wird. Im vergangenen Jahr wurden 400 Knubbel gebacken. Neben Speckkuchen und Fettstullen konnten auch Naturprodukte gekauft werden. Jährlich besuchen auch die Gäste aus der Partnerstadt Ibbenbüren das Fest. Auch eine Kaninchenausstellung findet jährlich statt. Ein kulturelles Programm rundet die Veranstaltung ab. Das Backhaus ist mehr als 200 Jahre alt und wurde aus Feldsteinen und Tonziegel erbaut. Der Ofen in der etwa 10 qm großen Backstube wurde einmal wöchentlich mit Kiefernreisig von den Dorfbewohnern angezündet. Die Backstube diente später als Schutzraum für die Bushaltestelle. Vorher wurden dennoch die Ofennischen zugemauert. Im Jahre 1994 wurde die „Bürgerinitiative Backhaus“ gegründet, die sich für die Instandhaltung der Backstube einsetzte. Am 19. Mai 2000 wurde der „Backhausverein Streetz e.V.“ mit 22 Mitgliedern gegründet. Dieser gab dem Brot den Namen „Streetzter Knubbel“ und nimmt aktiv am Schifferfest in Roßlau teil. Das erste Backhausfest fand im September 1999 statt.

 



Kalenderblatt vom 24.09.2012

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