HomeStartseiteKalenderblätter

25.03.2012 - Steinerne Zeitzeugen – die Grenzsteine im anhaltischen Harz

Grenzstein an der historischen Grenze zwischen Bayern und BöhmenIm Wald rings um Ballenstedt kann man heute noch an Wegen, Schneisen oder Bachläufen alte Grenzsteine entdecken, die Gemarkungs- und sogar Landesgrenzen kennzeichnen.
Die Geschichte dieser steinernen Zeitzeugen ist eng mit der forstlichen Erschließung des anhaltischen Gebietes verbunden. Der Kern des Reviers im Harz gehörte zu den Ländereien der Askanier. Der heute noch bestehende Grenzverlauf geht auf die Linie Anhalt–Bernburg zurück und trennte deren Ländereien von denen der Grafen von der Asseburg/Falkenstein.
Von den alten Grenzsteinen sind heute nur noch wenige erhalten, da sie vor allem im Harzvorland der Flurbereinigung zum Opfer gefallen sind. Im Forst jedoch haben die Steine die Jahrhunderte gut überdauert, denn in der Weite und Wegelosigkeit der Wälder waren sie gut geschützt, obwohl auch hier durch  Einsatz schwerer Technik in der Waldwirtschaft Grenzsteine zerstört wurden.
1716 führten wiederholt Grenzstreitigkeiten zur Maßnahme der Einteilung des Waldes nach Besitztum und zu einer ersten Forstvermessung, bei der die ersten Grenzsteine gesetzt wurden. Das sind die Hauptsteine, die alle mit einer fortlaufenden Nummer, der Jahreszahl 1716 und dem Wappen, den anhaltischen Bären, versehen waren. 1764 wurde der fürstliche Forstkommissar Johann Jacob Büchtig beauftragt, eine erneute Einteilung der Wälder vorzunehmen. Deren Grenzverläufe durch die üblichen Grenzsteine zu kennzeichnen , erfolgte jedoch erst viel später, es sind hier die Jahreszahlen 1781 und 1787 überliefert. Weitere Vermessungen sind für die Jahre 1802 und ab 1827 aktenkundig. Die Messtischblätter der letzten  Vermessung bildeten die Grundlagen der heute verwendeten Flurkarten.
Um 1832 wurde begonnen, Lücken zwischen den Hauptsteinen mit dichter stehenden Zwischensteinen auszufüllen. Somit besteht die Grenze Anhalt-Asseburg aus wenigen Hauptsteinen aus dem 18. Jahrhundert, dafür aber aus zahlreichen Zwischensteinen aus dem 19. Jahrhundert. Mit der Reichsgründung im Jahr 1871 erfolgte durch die neue Gesetzgebung eine Neustrukturierung der Wälder und die Forstreviere erhielten Distriktnummern, die bis heute gelten. Zwei Grenzsteine erinnern an die Einführung dieses „Netzes“ und sind somit die jüngsten Steine dieser Grenze. Insgesamt bestehen von den 115 gesetzten lediglich noch 81 Grenzsteine, die heute Zeugnisse von Gebietsentwicklungen sind und die selbst durchaus einen achtbaren kulturellen und ideellen Wert besitzen.

Auf dem Gebiet von Anhalt-Dessau sind auch noch einige Grenzsteine aus der Zeit des  ehemaligen Herzogtums Anhalt-Dessau vorhanden. Sie befinden sich u. a. in Oranienbaum und ihrer Umgebung aber auch im Kühnauer Forst zur Grenze hin nach Aken, die eine preußische Enklave war.
Auf dem folgenden Link finden Sie Bilder und eine Übersicht der Standorte dieser Grenzsteine:
www.anhalt-geschichte.de/grenzsteine.php
 

 



Kalenderblatt vom 25.03.2012

Alle bisherigen Kalenderblätter anzeigen