HomeStartseiteKalenderblätter

25.06.2012 - Traditionen aus Anhalt – vom Leben auf dem Dorf

Vor einiger Zeit berichteten wir bereits über anhaltische Traditionen, vor allem aus den Dessauer Stadtteilen Ziebigk und Großkühnau. Heute möchten wir Ihnen einige Traditionen aus dem Dorfleben in Anhalt vorstellen.

Wenn es daran ging, das Feld zu bestellen, wurden selbst bei dieser Arbeit wichtige Punkte befolgt, da sonst Unglück drohte. So durfte nicht nur während der Fahrt aufs Feld, sondern auch während des Säens kein Wort gesprochen werden, alles musste stillschweigend erledigt werden.
Die erste Erde, die sich nach der Arbeit dann am eigenen Pflug befand, warf man danach in einen fremden Hof – es sollte die eigene Wirtschaft von Ungeziefer, wie zum Beispiel Flöhen befreien.
Eine recht unangenehme Tradition war das Übergießen des Bauern, der als erster sein Feld pflügte, mit kaltem Wasser im Frühjahr. Es traf allerdings auch denjenigen, der als Erster Gras gemäht hatte.

Das Leben auf dem Dorf wurde auch außerhalb der Feldarbeit von einigen Sitten begleitet, so hatten selbst Tiere ihre Bedeutung. Gefleckte Schweine durften zum Beispiel nicht geschlachtet werden, wobei solche Farbvarianten eher eine Seltenheit darstellten
Hatte eine Kuh gekalbt, gab es das ungeschriebene Gesetz, dass man, um das Überleben des Kalbes zu sichern, erst nach drei Tagen etwas verleihen oder verschenken durfte, alles andere würde Pech heraufbeschwören.
Heute ärgern Schwalben viele Hausbesitzer, die sich um ihre verputzten Wände sorgen, früher waren diese Vögel gern gesehen, denn ihre Nester schützen vor Blitzschlag und wurden demnach auch nie abgeschlagen.

Ein sehr gewöhnungsbedürftiger Brauch war der zum Schutz vor Zahnschmerzen, denn dafür musste ein Maikäfer sprichwörtlich seinen Kopf herhalten, der mit den zu schützenden Zähnen abgebissen wurde.

Quelle: Johannes Grape: 900 Jahre Anhaltischer Dorfgeschichten
 



Kalenderblatt vom 25.06.2012

Alle bisherigen Kalenderblätter anzeigen