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25.09.2012 - Der Alte Dessauer und Appelhanne

Eine der populärsten Figuren, die zur Zeit des Fürsten Leopold I. lebten, ist zweifelsfrei die „ Appelhanne“. Ein wohlgenährtes, robustes Weibsbild mit einem Schnäuzchen, das nicht von Pappe war. Als Gemüsefrau hatte sie ihren Stammplatz vor den sogenannten „Buden“ am Nordrand des Schlossplatzes, der später „Großer Markt“ genannt wurde. Ihr kulantester Herausforderer war der Landesfürst persönlich. Er liebte die respektlosen Zwiegespräche, wenn er die streitbare Dame auf den Arm nahm. Da gab es kein Tabu und die Themen waren vielseitig.
Machte „Hoheit“ zu Fuß seinen Rundgang über den Markt, war immer Zeit für einen Plausch mit der Hökerin. Eines Morgens hatte diese einen Streit mit einer vornehmen Kundin. Im Angebot waren wunderschöne Kohlköpfe. Die Dame grapschte einen Kohlkopf nach dem anderen an, wiegte diese hin und her und stellte viele Fragen , bis es der Appelhanne zu viel wurde, und sie die Mäkelliese zurechtwies: “Na, Freileinchn, machen Se ma’n bisschen hin. Annere Leite sin ooch ma dran. Woll’n Se nu sonn’n Kopp oddor sonn’n?“ Ein witziger Schalk dürfte in dem Moment ausgerufen haben: „Heureka, ich hab’s. Sonn’nkopp oddor Sonn’nkopp in Dessau? - Mehrzahl: Dessauer Sonn’nkeppe!“ Jetzt war aber der Fürst an den Gemüsestand getreten, uns sagte leutselig: “Na Hannchen, dero Jeschäft scheint ja zu florieren.“ Darauf antwortete sie: „Schtimmt jenau, Hoheet.- Awwor ma’ was anneres, wie warn denn de Äppel, die ich in de firschtlije Kiche jeliefort hawwe?“ – Firschtn sein Jesichte faltete sich, un dor ahle Knastorbart polterte los: „ Was für ne Frechheit, du Schandmaul, auch noch danach fragen.’ N einziges madijes Dreckzeuch war es, womit du uns anjeschmiert hast!“ Ohne zu überlegen antwortete Appelhanne schnodderig: „Vonwäjn Dreckzeick! Ihr habt woll heite schlecht jeschlafn? Un denn markt eich ma’ eens, was de Madn mit Jenuß weckschnurpsn, is doch woll ooch for ne Firschtenjusche jut jenuk! Hawwich recht?“ und blinzelte mit’n Augen, goß sich erstmal „’n Schälchen Heeßn“ ein und nahm’n tiefen Schluck.

 

 



Kalenderblatt vom 25.09.2012

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