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26.07.2012 - Barry Graves - der Reformator des Radios

Sein Name ist ein wenig irreführend, aber das war wohl auch seine Absicht, denn eigentlich hieß er Jürgen Deutschmann und wurde am 26.Juli 1942 in Jeßnitz geboren. Im Alter von 22 Jahren ging Barry, damals noch Jürgen, nach West-Berlin, um an der Freien Universität Soziologie, Betriebswirtschaft und Publizistik zu studieren.
Zum Radio kam Barry aufgrund seiner Beschwerden über die schlechte Musik. Der Sender RIAS lud ihn ein, es besser zu machen und so begann der Jeßnitzer 1968 seine Karriere als freier Musikjournalist. Jürgen legte seinen Namen ab und fortan fand man selbst auf seiner Kreditkarte nur noch Barry Graves, so dass viele schnell seinen wirklichen Namen vergaßen.
Barry moderierte immer mehr Sendungen, legendär wurde unter anderem Studio 89. 1990 wechselte er zum Jugendprogramm Radio4U und 1993 zum Radiosender Fritz.
Der beliebte Moderator war der erste, der Techno im Radio präsentierte und damit die Musikbewegung maßgeblich verbreitete. Außerdem verwendete er Sendeformen, die es vorher nie gab, immer im Auge sein Vorbild, das amerikanische Radio. Mit den Knöpfen und Reglern zauberte Graves Effekte, die die Radiosendungen reformierten, seine aufwendigen Produktionen dauerten oft mehrere Tage.
Barry Graves war auch außerhalb des Studios aktiv, so arbeitete der Wahlberliner von 1971 – 84 für die Berliner Zeitung „Der Abend“. Er schrieb Beiträge für den „Spiegel“, drehte einen Dokumentarfilm, veröffentlichte ein Rock-Lexikon und das Buch „Elvis-King der verlorenen Herzen“. Er war umfassend gebildet und besaß einen hervorragenden Stil.
Menschen, die mit Barry zusammen arbeiteten, bezeichneten ihn – im Gegensatz zu seiner Arbeit – privat eher als zurückhaltenden Nichtraucher und Nichttrinker, von dem man so gut wie nichts wusste, der nur für seine Produktion lebte. Allerdings war Graves ein Fan Amerikas und versuchte nicht nur mit seinem Namen wie ein Amerikaner zu wirken, auch sein Kleidungsstil entsprach dem Klischee vom Karo-Hemd bis zu den Turnschuhen. Seine zweite Heimat war New York, wo er so viel Zeit wie möglich verbrachte.
Barry Graves war homosexuell und erkrankte an AIDS. Am 8. September 1994 starb er in Berlin.



Kalenderblatt vom 26.07.2012

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