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26.11.2012 - Die Alte Dessauer Synagoge

Die neue Dessauer Synagoge im Jahre 1906Die Geschichte der Dessauer Synagoge begann vor ca. 300 Jahren in der Dessauer Sandvorstadt. Urkundlich ist der dauerhafte Aufenthalt von Juden in Dessau seit 1671 bekannt und wurde von Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau genehmigt.
Mitglieder der jüdischen Gemeinde erwarben 1684 ein Grundstück, in dessen Hofbereich die Gemeinde in den folgenden Jahren, nach der Genehmigung durch den Fürsten, ihre erste „Schule“ (Synagoge) in der Töpfergasse, die dann in Judenschulgasse umbenannt wurde, errichteten. Die Juden kamen aus vielen Ländern, hatten unterschiedliche Erfahrungen, Meinungen und Zeremonien. Es kam zu einem unüberbrückbaren Streit. Deshalb wurde ein gottesfürchtiger und ehrlicher Schulmeister angestellt. Am 13. September 1678 wurde ein Gemeindebuch bewilligt. In diesem wurden Gesetze niedergeschrieben, um die Autorität der Ältesten zu bewahren.
Im Jahr 1685 wohnten bereits 25 jüdische Familien in der Stadt. In der Regierungszeit des Fürsten Leopold und der Zeit des Hoffaktors Moses, erlebte die Gemeinde einen deutlichen Aufschwung. Im Jahre 1711 kaufte die Gemeinde den angrenzenden Hof. Inzwischen wurde die Synagoge niedergebrannt und wieder aufgebaut. Im Jahr 1785 errichteten Dessauer Juden ein jüdisches Lehrhaus, (Bethamedrasch, „Gymnasio“) und 1799 eine allgemeinbildende jüdische Schule, die sich einen Ruf als „Israelitische Hauptschule zu Dessau“ erwarb. Die Schule wurde zum Zentrum jüdischer Aufklärung und Reform in Anhalt-Dessau. Im Jahre 1811 führte Joseph Wolf, Lehrer und Prediger, erstmals ein Geburts-, Heirats- und Sterberegister ein. So wurde das Haus auch als administratives Zentrum genutzt. Es wurde die hebräische und deutsche Sprache verwendet. Im Jahr 1829 wurde eine neue und strengere Ordnung eingeführt.
Im Jahre 1853 war die Synagoge „dringend reparaturbedürftig“. Die Decke und die Mauer waren in einem sehr schlechten Zustand. Die Gemeinde benötigte finanzielle Hilfe. Im Jahr 1858 wurden der Abriss des Gebäudes und ein Neubau der Synagoge erforderlich. Mit der neuen Entwicklung der Industrie und des Handels verließen die Juden die Dörfer. Die Gemeinde wurde ausgelöst. Von der alten Synagoge wurden Postkarten als Erinnerung an die Gemeinde herausgegeben. Am 23. Februar 1908 wurde der Bau der Synagoge mit einem Festgottesdienst eingeweiht. Sie war nach den Plänen des Architekturbüros „Cremer § Wolffstein“ aus Berlin fertig gestellt. Dies war der vierte Synagogenbau der Stadtgeschichte und in den 30er Jahren die wichtigste Synagoge Anhalts. Die neue Synagoge war eine der schönsten und repräsentativsten Gebäude der Stadt, mit Blickrichtung zum Schloss und zur Stadtkirche. Sie war ein Punkt der Öffentlichkeit. Der große Synagogenraum wurde nach Osten gerichtet, der Raum war dadurch hell und bekam viel Außenlicht. Die Synagoge vermittelte Festlichkeit und Würde. Mit der Stiftung von Julie von Cohn–Oppenheim wurde das Gebäude finanziert. Diese Stiftung wurde durch eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten vertreten, darunter Albert Einstein, Walter Gropius, Hugo Junkers, Fritz Hesse. Im Gemeindehaus befand sich die Kantorwohnung. Hier wohnte der Kantor und Religionslehrer Albert Weill mit seiner Familie und hier wuchs auch Kurt Weill auf. Im zweiten Stock bot ein Gemeindesaal mit Bühne die Möglichkeit für Konzerte, Vorträge und Gemeindefeste. Mit dem Sturz des Herzogturms entfiel die staatliche Unterstellung der Israelitischen Gemeinde. Im Jahre 1921 wurde der Landesverband „Kulturgemeinden“ gegründet, wo Dr. Walter zum Landesrabbiner gewählt wurde. Ein Höhepunkt in der Geschichte der letzten Dessauer Synagoge war der 200. Geburtstag von Moses Mendelssohn. Ein großer Festgottesdienst fand am 6. September 1929 mit Teilnehmern der Stadt und Repräsentanten des Herzoghauses statt.
Ab 1933 bedrohten die Nationalsozialisten die Dessauer Mitbürger, die im Kontakt zu den Juden standen und die Synagoge besuchten. Die Juden, welche die Bedrohung erkannten, verließen Dessau, andere unterschätzen die tödliche Gefahr. Im Jahr 1938 drangen die Nationalsozialisten in die Synagoge ein, sie zerstörten die Gebäude und legten Feuer. Eine große Anzahl Thorarollen und Kultgeräte wurden hierbei aus der gesamten Israelitischen Kulturgemeinde Anhalts zerstört. Gleichzeitig wurde der jüdische Friedhof verwüstet.
Danach folgte die Sprengung der Synagoge. Die Überreste der Gebäude mussten später beräumt werden. Die Steine der Synagoge wurden für Straßenpflaster verwendet. Die Zerstörung der Synagoge blieb eine Schande. Noch nie zuvor wurde ein Gotteshaus angezündet und niemals zuvor waren die Plünderer und Brandstifter bewusst unbestraft davon gekommen. An der Stelle der Synagoge und zum Gedenken an die vernichtete Jüdische Gemeinde wurde 1988, zum 50. Jahrestag, eine Gedenkstele errichtet. Im gut erhalten gebliebenen Rabbinerhaus, in der Kantorstraße, wurde für die neue Jüdische Gemeinde im Zentrum von Dessau, ein neuer Platz gefunden. Die Jüdische Gemeinde hat Gedenktafeln für Moses Mendelssohn und Kurt Weill angebracht, da sie ihre Geburtsstadt weltweit bekannt gemacht hatten. Die beiden bekanntesten Juden Dessaus verließen die Stadt in jungen Jahren und realisierten ihre Lebenswerke fern der Heimat.

Am 10. November 1988 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge eine Gedenkstele errichtet. Sie trägt die Inschrift; „Den jüdischen Männern, Frauen und Kindern, die dem Naziterror von 1933 bis 1945 zum Opfer fielen“ (Eingeweiht am 18. Februar 1908, zerstört am 9. November 1938).

Ein Modell des Bauwerks befindet sich im Museum für Stadtgeschichte im Johannbau.

 



Kalenderblatt vom 26.11.2012

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