HomeStartseiteKalenderblätter

27.03.2012 - Bernburger Sagen – "Ein weiser Rat"

Heute möchten wir Ihnen erneut eine Sage vorstellen.

„Vor ein paar hundert Jahren lebte in Bernburg ein reicher Tuchmacher, der zwei Söhne und eine Tochter hatte. Als er alt wurde und sich zur Ruhe setzte, teilte er sein Vermögen in drei gleiche Teile und überließ es seinen Kindern. Bald darauf stellte er sich bei seinem ältesten Sohn zu einem längeren Besuch ein. Doch dem war der greise Vater lästig. Schon nach wenigen Tagen schickte er ihn weiter zu seinem jüngeren Bruder. Der war auch nicht erfreut. Er erklärte rundheraus, er habe keine Zeit, den Barmherzigen zu spielen. Außerdem säßen an seinem Tisch ohnehin genug Esser. Als der Vater nun bei seiner Tochter anklopfte, wurde ihm zwar aufgemacht, aber Brot und Suppe gab es nicht für ihn. Enttäuscht und verbittert kehrte der Tuchmacher nach Hause zurück. Bald darauf besorgte er sich eine große Truhe, ließ drei feste Schlösser daran anbringen, schickte jedem seiner undankbaren Kinder einen Schlüssel und schrieb sein Testament.
Darin stand, dass die drei nach seinem Tod mit ihren Familien und Freunden kommen und vor aller Augen gemeinsam die Truhe öffnen sollten. So geschah es auch. Die Truhe war sehr schwer. Der älteste Sohn, der als erster erschienen war, konnte es kaum erwarten, dass seine Geschwister eintrafen. Endlich war es soweit. Ein Kreis von Freunden und Bekannten, lauter rechtschaffene Leute, umstanden die geheimnisvolle Truhe. Die Geschwister drehten ihre Schlüssel in den Schlössern um. Knarrend hob sich der Deckel. Die Truhe war bis zum Rand mit Steinen gefüllt. Obenauf lag, säuberlich von der Hand des alten Tuchmachers geschrieben, der Spruch:
„Wer seinen Kindern gibt das Brot,
und leidet nachmals selber Not,
den schlag man mit der Keule tot.“

Dieser Spruch steht heute noch an dem Hause der Tuchmacher-Zunft in Bernburg. Und an einer Kette daneben hängt eine Keule.
 



Kalenderblatt vom 27.03.2012

Alle bisherigen Kalenderblätter anzeigen