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27.06.2012 - Anhalt-Bernburgs Weinherrschaft an der Unteren Saale

Rückblick auf eine Heimatkultur von einst landschaftsprägender Bedeutung
Beitrag zum Jubiläum 800 Jahre Anhalt von Bernhard Gremler

Ein Teil des herzoglichen Weinberges über der "Großen Aue" bei Bernburg im Bereich der "Altenburger Chaussee" im Jahre 1864. Die äußerst gepflegte, mit einer Einfriedung versehene Pflanzung zeigt mit ihrer dem Geländeverlauf angepassten Terrassenkultur ein typisches Merkmal des herrschaftlich-anhaltischen Weinbaus an der unteren Saale.Der Weinbau im heimischen Landschaftsgebiet an der Saale begann im Jahre 973 bei Alsleben nach einer Urkunde Kaiser Otto II. Dort entstand 979 ein Reichsstift der Benediktinerinnen. Im Jahr 1090 bestätigte Papst Urban II. dem Reichskloster der Benediktiner in Nienburg Weinbergbesitz. Weinbaufähiges Land lag durch Tätigkeit der Mönchsorden und der Klöster fast ausschließlich im Besitz des Klerus. Selbst das Haus Anhalt als Landesvater musste sich lange mühen, um an der Saale zu nennenswertem Weinbergbesitz zu kommen.
Das Kloster Gernrode gab im Jahre 1375 an der altehrwürdigen Stephani-Kirche bei Waldau Gelände für die Rebpflege durch das Haus Anhalt frei. In ausgezeichneter Lage über der Röße-Saale entstand die Rebpflanzung, später „Rosinenberg“ genannt, die immer weiter auf der Höhe bis zur Horngasse und schließlich bis gegen die Nienburg-Altenburger Chaussee ausgedehnt wurde. Gute fünf Hektar waren das, vielleicht auch mehr. Der Ritter von Schierstedt vermachte 1442 zwei Gärten Weinland, das ihm vom Kloster Gernrode zugefallen war, an Anhalt-Bernburg. Es war vermutlich die Höhe über dem linken Wipperufer gegenüber der Zörnitzer Mühle, ein reiner aufgerebter Südhang, auf dem sehr viel später der Herzogliche Versuchsgarten entstand, etwa vier Hektar Fläche.
Hier baute man einen Wartturm am hohen Ende, dessen Reste noch sichtbar sind. Nach mehrfach vergeblichen Anläufen des Erwerbs kaufte Fürst Joachim Ernst im Jahre 1580 vom Kloster Ilsenburg den Hof in Aderstedt mit dem Weinberg am Ort, der im vollen Umfang acht Hektar Rebland umschloss. Der Weinberg über der „Kleinen Aue“, nach heutiger Topografie das Gelände vom Paradies bis vor Waldau, oben begrenzt von der Ilberstedter Straße, unten von der Krumbholzallee, erwarb Anhalt-Bernburg 1617 von der Talstadt. Die ausgedehnte Rebfläche hieß dann „Herrenweinberg“, später „Langer Berg“ und schließlich „Friedrichshang“. Sie umfasst nach anhaltischer Flurkarte von 1887 gute 10 Hektar. Der Fürst ließ die Parzellen zusammenlegen und mehrere Terrassen aufreben, das Ganze überschaubar gemacht von einem Wartturm, einer Warte. Schließlich muss nach1620 auch noch der Weinberg über der „Großen Aue“ an das Bernburger Fürstenhaus gefallen sein, nachdem 1617 dort schon ein Winzergehöft an Anhalt-Bernburg kam. Auch hier liegen nochmals fast 10 Hektar Weinland zugrunde. Das herrschaftliche Weinland bei Bernburg einschließlich Aderstedt summierte sich also auf 37 Hektar, eingeteilt in acht Winzereien. Hinzu kamen im „Amt Plötzkau“ die Rebpflanzungen des Ortes nebst Weinberg von Großwirschleben, woselbst eine neunte Winzerei bestand. Insgesamt ließen die Fürsten und späteren Herzöge von Anhalt-Bernburg in der hohen Zeit des Weinbaus an der unteren Saale fast 60 Hektar aufgerebtes Land bewirtschaften. Das ist nicht nur eine faszinierende Zahl, sondern eine ebensolche Leistung in einer Kleinregion wie das Landschaftsgebiet von Bernburg mit dem schmalen rein anhaltischen Teil.

Quelle: Bernburger Bär - Zeitschrift für Heimat, Mundart und Weinbautradition, 50. Jahrgang - I./II. Quartal 2012 - Nr. 128, S. 18-20

 



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