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27.10.2012 - Die Sage von der Kehlsburg bei Klieken

In der Nähe des Dorfes Klieken, unweit der Alten Elbe, befindet sich ein von tiefen Gräben umzogener Hügel, die Kehlsburg. Verborgene Reichtümer liegen hier in einer eisernen Truhe. Der Schatz befindet sich inmitten fester Mauern im Inneren der Anhöhe. Wer versucht, ihn zu beheben, darf kein Wort reden, wenn er sich an die Arbeit wagt. Einst waren Arbeiter von der Herrschaft zu Klieken geschickt, nach den verborgenen Gute zu graben. Schweigend - wie ihnen streng befohlen war- hieben sie auf das Mauerwerk ein und kamen ein Stück vorwärts. Bald aber vollführten die bösen Geister, die den Schatz hüteten, allerlei Spuk, um die Leute durch Angst und Schrecken zum Reden zu bringen. Da kamen vier Hähne heranstolziert, die zogen ein Fuder Heu. Die Männer stutzten, aber schwiegen. Daraufhin verschwand das sonderbare Fuhrwerk wieder. Nach einer Weile rollten ein paar Mühlensteine, von unsichtbarer Kraft getrieben, in rasender Eile daher, gerade auf die Arbeiter los. Diese erschraken heftig, aber sie verharrten in ihrem Schweigen, und die Steine polterten davon. Dann erschienen Männer in schwarzer Teufelstracht. Die führten auf einen dreirädrigen Wagen Bauholz, luden es ab und richteten einen Galgen auf. Da erfasste die Schatzjäger das Grauen. Sie fürchteten, aufgeknüpft zu werden. Trotzdem schwiegen sie. Auch bei der nächsten Erscheinung, einer Kutsche, die von schwarzen Rössern ohne Kopf gezogen wurden. Die Männer hatten inzwischen die Truhe gefunden und Hebebäume untergehoben, um sie aus ihrer tiefen Lage zu bergen. Da wandten die Geister ein letztes Mittel an, um den Arbeiten einen Laut zu entlocken, es kam ein Esel mit drei Beinen, der eine seltsam hüpfende Gangart hatte. Auf ihm saß ein nicht weniger seltsamer Reiter - ein Bild, das einen der Schatzsucher das Schweigen vergessen ließ. „ Was doch der Böse tut!!! „ entfuhr es ihm. Und in dem Augenblick, da er gesprochen, brachen die Hebebäume, und der Schatz sank wieder in die Tiefe hinab. Ratlos standen die Männer da, geängstigt durch die Schreckensbilder und voller Ärger, dass ihnen der Schatz entgangen war. Sollten sie es noch einmal versuchen? Noch zögerten sie, unverrichteter Dinge wieder heimzukehren, da ertönte aus der Tiefe laut und vernehmlich eine Stimme: „Umsonst ist eure Mühen, ihr Männer! Nur der wird dereinst den Schatz heben können, der mit dem Gesicht auf dem Rücken geboren ist.“



Kalenderblatt vom 27.10.2012

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